Wirtschaft : Kursverluste setzen sich fort

Nemax-50-Index schließt bei 5589,95 Punkten - Fusionspläne der Börsen begrüßt

Nach einem neuerlichen Kurssturz in den USA haben am Mittwoch auch die Technologiewerte an den meisten europäischen Börsen und in Japan wieder stark nachgegeben. Wachstumswerte am Neuen Markt der Frankfurter Börse verloren 7,3 Prozent. Der Nemax-50-Index schloss bei 5589,95 Punkten. Auch im Dax, der bei 6834,88 (minus 92,81) Punkten den Handel beendete, gerieten Technologieaktien unter Druck: Die Deutsche Telekom verlor mehr als zwei Euro auf 56,60 Euro, der Baulelementehersteller Epcos rutschte sogar um 7,56 auf 118,20 Euro ab. In Paris brachen die Technologiewerte in ähnlichem Umfang wie in Frankfurt ein, und auch der Londoner Technologiemarkt Techmark verlor. Die asiatische Leitbörse in Tokio setzte ihre Talfahrt am Mittwoch ebenfalls fort. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte büßte weitere 1,7 Prozent ein und erneuerte damit sein Jahrestief. Zum Handelsende notierte der Nikkei-Index bei 16 044,44 Zähler - ein Minus von 274,29 Punkten. Zwischenzeitlich war das Börsenbarometer zum ersten Mal seit fast einem Jahr unter 16 000 Punkte gefallen. Experten warnten, die Kursbereinigungen seien vermutlich noch nicht vorbei.

Unterdessen begrüßten am Mittwoch verschiedene im Dax vertretene Großunternehmen die Zustimmung des Aufsichtsrates der Deutschen Börse zur Fusion mit der London Stock Exchange (LSE). Der Zusammenschluss schaffe eine europäische Börse und nütze Anlegern und Emittenten, hieß es. Von der Möglichkeit, die eigenen Aktien in Pfund notieren zu lassen, wollen die Dax-Unternehmen jedoch vermutlich keinen Gebrauch machen. Der Aufsichtsrat der Deutschen Börse hatte am Dienstagabend mit 17 Ja-Stimmen und vier Enthaltungen einer Fusion mit der LSE zugestimmt. Auch die CDU-Vorsitzende Angela Merkel begrüßte die angestrebte Fusion der Börsen. Es sei eine Herausforderung für Frankfurt, dass der Neue Markt mit den Wachstumswerten dort bleibe, sagte Merkel nach einem Besuch der Börse in Frankfurt. Aufgabe der Politik sei es nun, international vergleichbare Bedingungen zu schaffen, so dass Frankfurt dem Wettbewerb standhalten könne. Schwierigkeiten könnte noch die Namensgebung der neuen Gemeinschaftsbörse bereiten: Der Verlag Heinz Heise, Hannover, besteht auf seinem Marken- und Titelrecht an "iX" und ist nicht bereit, die Marke an den geplanten Zusammenschluss aus Frankfurter und Londoner Börse zu verkaufen.

Der Kursrutsch der Technologiewerte wurde von der US-Hochtechnologiebörse Nasdaq ausgelöst, die am Dienstag um fast sechs Prozent auf einen Jahrestiefstand gefallen war. Am Mittwoch startete die Nasdaq zunächst stabil in den Handel. Vor allem die Internet-Werte und damit der Index drehten wenige Minuten nach Eröffnung des Börsenhandels aber wieder ins Minus. Der Dow-Jones-Index der wichtigsten US-Standardwerte legte zum Handelsstart leicht zu.

Der Mitbegründer und heutige Aufsichtsratschef des Softwarekonzerns SAP, Dietmar Hopp, sagte weitere Kursstürze bei Internet-Werten voraus. Die derzeitigen Kurse seien noch immer "abenteuerlich hoch", sagte er dem "Manager Magazin". Laut Hopp könnte es "noch in diesem Jahr zu einer Halbierung der aktuellen Werte kommen". Hopp kritisierte vor diesem Hintergrund die "blinde Gier" von Banken und Anlegern am Neuen Markt.

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