Wirtschaft : Kurz nach zwölf geht’s zur Mutti

Ganztagsschulen und Elterngeld: Wie andere Länder Kinder fördern

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Ein Drittel der 34- bis 40-jährigen Frauen in Deutschland ist kinderlos, doppelt so viele wie in Frankreich. Was macht Frankreich besser? An der bloßen Höhe der Geldleistungen, die der Staat für Familien und Kinder ausgibt, etwa in Form von Kindergeld, kann es nicht liegen, die sind in Frankreich deutlich geringer als in Deutschland (siehe Tabelle).

Auch durch die Verteilung des Kindergeldes wird Familienplanung gesteuert. In Frankreich gibt es für erwachsene Sprösslinge nur noch „Kindergeld“, wenn sie in der eigenen Wohnung leben und selbst eine Familie gründen. In Deutschland dagegen wird Kindergeld bis zum 27. Lebensjahr gezahlt – vorausgesetzt, Sohn oder Tochter leben dann noch in finanzieller Abhängigkeit von den Eltern. Das ermuntert nicht gerade zur Familiengründung.

Nach Meinung von Familienforschern sind es – neben einem in vielen Ländern weniger traditionellen Rollenbild – vor allem höhere staatlich geförderte Dienstleistungen, die berufstätigen Frauen in Frankreich, Finnland oder Schweden die Entscheidung pro Kind erleichtern. „Während in Deutschland die meisten Schulen um 12.15 Uhr zumachen, damit die Kinder zu Hause bei Mutti essen können, ist in anderen Ländern wie Frankreich eine Ganztagsbetreuung selbstverständlich“, sagt Christina Klenner, Referatsleiterin Frauen und Gesellschaft der Hans-Böckler-Stiftung.

Breitere Betreuungsangebote vor allem für Kinder unter drei Jahren sind in vielen Ländern, in denen Frauen im Durchschnitt mehr Kinder zur Welt bringen als in Deutschland, normal.

Länder wie Schweden und Finnland zahlen Eltern zudem einen Großteil des Nettoeinkommens auch nach der Geburt als „Elterngeld“ weiter.

Vor allem in skandinavischen Ländern ist zudem das Rollenbild mit staatlicher Hilfe neu definiert worden. So hat Dänemark nicht nur die Kinderbetreuung Mitte der 90er Jahre deutlich ausgebaut, sondern Frauen und Männer auch gleiche Rechte und Pflichten in Beruf und Familie gegeben. 75 Prozent aller Paarhaushalte sind heute Zweiverdienerhaushalte. Auch Steuersysteme spielen eine große Rolle bei der Familienplanung. „Ein Ehegattensplitting, das große Einkommensunterschiede zwischen den Partnern – und somit die traditionelle Rollenverteilung – finanziell belohnt, gibt es nur in Deutschland“, sagt Klenner.pet

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