Wirtschaft : Kurze Atempause für Leo Kirch

Henrik Mortsiefer

Die Banken gewähren Kirch eine Atempause, heißt es. Nachdem sich Dresdner Bank, Hypo-Vereinsbank und Bayerische Landesbank gezwungen sehen, zur Höhe und Fälligkeit ihrer Kirch-Kredite öffentlich oder hinter vorgehaltener Hand Stellung zu nehmen, scheint Kirch aus dem Gröbsten heraus. Doch der Schein trügt gewaltig. Leo Kirch steckt in ernsten Schwierigkeiten. Und angesichts der neuen finanziellen Risiken, die im kommenden Jahr drohen, dürfte sich die Lage des klammen Medienunternehmers bald weiter verschlechtern.

Sollten Murdoch und Springer von ihren Optionen Gebrauch machen und Kirch im Jahr 2002 Beteiligungen im Volumen von bis zu vier Milliarden Mark andienen, dann kann es schneller eng für den Unternehmer werden, als die Nachrichtenlage heute nahelegt. Hinzu kommt das Risiko für Kirch, einen Milliardenkredit für das Formel-1-Engagement refinanzieren zu müssen. Rechnet man die auf bis zu zehn Milliarden Mark geschätzten Schulden hinzu, türmt sich ein Berg von Verbindlichkeiten auf, den selbst die Kirch-Gruppe mit besten Beziehungen zu den Großbanken nicht bewältigen kann. Auch nicht als börsennotierte Gesellschaft. Der Weg an den Kapitalmarkt könnte ohnehin noch böse Überraschungen bringen. Banker und Analysten werden sich Kirchs Bilanzen sehr genau ansehen und sich fragen, welchen Wert - die in der Tat beeindruckende - Lizenz- und Rechtebibliothek noch hat. Sollten sich in diesem Depot Flops und Unverkäufliches finden, droht Kirch auch auf der Einnahmenseite Ungemach.

Bis es zum Ernstfall kommt, kann Kirch die Galgenfrist nutzen, die ihm die Großbanken gewähren. Mit Beteiligungsverkäufen und der erfolgreichen Vermarktung der Fußball-WM-Rechte sichert er sich Einnahmen, die die Gläubiger ruhig stellen und Widersachern wie Rupert Murdoch und John Malone den Wind aus den Segeln nehmen. Von den feindlichen Übernahmeplänen Murdochs und dessen angeblichem Arrangement mit Kirchs Banken war zuletzt übrigens nur noch wenig zu hören. Viel Aufregung um nichts? Oder eine gelungene Inszenierung unter Münchener Regie? Kirch wäre es zuzutrauen.

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