Wirtschaft : Kurze Ferien für die Griechen

Athen - Die Griechen sind erleichtert: Das Gespenst des Staatsbankrotts ist einstweilen verscheucht. „Wir können durchatmen“, meldete am Wochenende die Zeitung „Kathimerini“. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) konnte nach dem geglückten Krisengipfel entspannt in Urlaub fahren. Anders der griechische Premier Giorgos Papandreou. Er darf sich keine Pause gönnen. Gleich nach der Rückkehr vom Brüsseler Krisengipfel berief er in Athen eine Kabinettssitzung ein. Die Griechen könnten stolz sein auf die erbrachten Opfer und die „gewonnene Schlacht“, sagte Papandreou. Er unterstrich aber auch: „Die Schwierigkeiten sind noch nicht vorbei.“

Traditionell ist der August der Urlaubsmonat der Griechen. Um die Monatsmitte, wenn Mariä Himmelfahrt gefeiert wird, kommt das politische Leben in Griechenland zum Erliegen. Doch in diesem Jahr wird das anders sein. Denn für den 16. August hat sich in Athen bereits wieder die Troika angesagt, wie man die Inspekteure der EU-Kommission, des Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Zentralbank nennt, die in regelmäßigen Abständen die Haushaltsführung und die Umsetzung der Reformen prüfen. Daran wird sich nichts ändern. Das neue Hilfspaket sichert zwar Griechenlands Refinanzierung für die kommenden Jahre, es entlastet durch niedrigere Zinsen und längere Laufzeiten der Hilfskredite den Haushalt um mehrere Milliarden Euro im Jahr und beschleunigt den Schuldenabbau. Aber es bleibt bei strikten Spar- und Reformvorgaben.

Das in Brüssel ausgehandelte Rettungspaket stößt bei Notenbankern unterdessen weiter auf Kritik. „Wir sollten nicht so tun, als gäbe es diese Einigung für Griechenland kostenlos“, sagte das Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank, Lorenzo Bini Smaghi. Die Umschuldungsdebatte habe die Währungsunion geschwächt und dramatische Ansteckungsgefahren ausgelöst, sagte er mit Blick auf die erstmalige Beteiligung des privaten Sektors an Griechenland-Hilfen. „Der Versuch, die Banken an den Kosten der Rettungspakete zu beteiligen, wird unausweichlich dazu führen, dass dem europäischen Steuerzahler noch mehr Risiken aufgebürdet werden“, sagte er der „Welt am Sonntag“. Die Vereinbarung müsse ein Einzelfall bleiben. öhl/dpa

Mehr zum Thema auf Seite 16: Ein Interview mit dem deutsch-griechischen Unternehmer Stefan Mittmann.

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