• Kurzfristige Anlagen lohnen sich: Viele kleinere Anbieter aus dem Euro-Ausland sind mit "Kampfpreisen" am Markt

Wirtschaft : Kurzfristige Anlagen lohnen sich: Viele kleinere Anbieter aus dem Euro-Ausland sind mit "Kampfpreisen" am Markt

Veronica Csizi

Schon lange nicht mehr erhielten kurzfristig orientierte Anleger so hohe Zinsen auf ihr Geld wie derzeit. "Wer sein Kapital nur auf sechs Monate bindet, erhält derzeit eine fast ebenso hohe Rendite wie ein Käufer von zehnjährigen Rentenpapieren", sagt Ulrich Beckmann, Zinsstratege in der Investmentsparte der Deutschen Bank. Am Euro-Geldmarkt würden für drei Monate aktuell 5,12 Prozent, für sechs Monate 5,18 Prozent, für zwei Jahre aber nur 5,03 Prozent bezahlt. "Der Markt hat die Hoffnung, dass die Europäische Zentralbank nach den jüngsten Zinserhöhungen die Sätze mittel- bis langfristig nicht mehr erhöht", so Beckmann. Er selbst glaube nicht, dass der Zinshöhepunkt in Euroland schon erreicht sei. Langfristig allerdings geht auch er von sinkenden Sätzen aus.

Tritt diese Prognose ein, dann dürften die Zinssätze für kurzfristige, flexible Geldanlagen vorerst attraktiv bleiben und sich die Zinsschere zwischen Lang- und Kurzfristanlage weiter schließen. Investoren, die sich beispielsweise für eine Weile aus dem Aktienmarkt verabschieden oder geerbtes Kapital zwischenparken wollen, stehen vor einer ganzen Reihe von Anlage-Alternativen. Eine Möglichkeit ist ein Tagesgeld-Konto, bei dem das Geld banktäglich verfügbar ist. Während die meisten Banken und Sparkassen hier höchstens vier Prozent Zinsen pro Jahr bieten, nutzen viele kleinere Anbieter, vor allem aus dem Euro-Ausland, das Kurzfrist-Zinshoch für Werbekampagnen mit Kampfpreisen. Die spanisch-irische Internet-Bank First-e beispielsweise garantiert bis Ende März 2001 sechs Prozent ab der ersten Mark. Fünf Prozent zahlt die holländische Finansbank auf Summen inzwischen 10 000 und 500 000 Mark.

Für die höheren Zinsen im Euro-Ausland muss der Anleger allerdings eine geringere Absicherung in Kauf nehmen: Während Gelder bei deutschen Banken nach dem Einlagensicherungsgesetz vollständig abgesichert sind, erhielte der Kunde im Falle einer Pleite der ausländischen Bank nach einer EU-Richtlinie nur 20 000 Euro zurück. Allerdings bieten manche ausländische Institute auch eine höhere Absicherung an, etwa die First-e, die deutsche Kundengelder bis 70 000 Euro pro Person sichert.

Attraktive Sätze bieten auch die Autobanken, die sich hauptsächlich auf das Kreditgeschäft spezialisiert haben, sich nicht über den Kapitalmarkt refinanzieren müssen und damit ganz anders kalkulieren können: Die BMW Bank etwa verzinst 10 000 Mark Dreimonats-Festgeld aktuell mit 4,3, VW direct sogar mit 4,45 Prozent. Die niederländische Demir Halk Bank garantiert bis Ende Januar sogar 5,3 Prozent für 90 Tage fest. Die meisten Großbanken sind zurückhaltend, wenn es um die Veröffentlichung ihrer Sätze geht: Die Renditen seien je nach Höhe der Anlagesumme und Bonität des Kunden Verhandlungssache, heißt es bei der Deutschen Bank 24. 4,5 Prozent seien allerdings das Maximum für 10 000 Mark auf drei Monate.

Wer schnell handlungsfähig sein will, kann sein Geld auch auf Geldmarktkonten oder in Geldmarktkfonds zwischenlagern. Anders als bei Tagesgeldern ist hier ein Investment in fremden Währungen möglich, so dass nebem dem Zins- auch ein Währungsgewinn (aber natürlich auch ein Verlust) möglich ist. Dollar-Gelder rentieren im Schnitt 1,7 Prozentpunkte höher als Euro-Gelder, also etwa mit 6,6 Prozent. Die meisten Aktionäre schichten in Krisenzeiten in Geldmarktfonds um: Das Geld bleibt im Depot, der Anleger kann schnell wieder auf Liquidität zurückgreifen. Die Rendite dieser Investmentfonds, die selbst wieder in Tages- und Termingelder beziehungsweise sehr kurzfristige Rentenpapiere investieren, liegt meist einen halben Prozentpunkt unter der der Tagesgelder. Der Grund: Die Kosten für das Fondsmanagement.

Weniger bekannte Alternativen für Kurzfrist-Anlagen sind Floater und Sola-Wechsel. Floater, also variabel verzinste Rentenpapiere, lohnen sich ab einer Laufzeit von etwa drei Monaten und werfen etwas höhere Renditen ab als Tagesgelder. Der Nachteil: Für Kauf und Verkauf fallen Spesen an. Solawechsel werden nur von wenigen, kleineren Instituten angeboten, zum Beispiel der Hamburger Bank Kreiss, und werfen aktuell je nach Laufzeit zwischen 4,25 und 5,25 Prozent ab. Für den Kunden seien Solawechel wie Festgeld, heißt es bei dem Hamburger Bankhaus. Der hohe Zinssatz sei aber nur möglich, weil das Geld nicht über den Einlagensicherungsfonds abgesichert sei. Kreiss: "Da muss der Kunde dem Bankhaus vertrauen".

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