Wirtschaft : Kurzmeldungen

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E s sind immer dieselben Schlagzeilen: Da hat ein Vorstand seine Bezüge eigenhändig hochgesetzt, da erhält jemand Abfindungen in atemberaubender Höhe, da haben andere die Bilanzen manipuliert. Um es vorweg zu sagen: Dabei handelt es sich um Einzelfälle. Doch ärgerlich sind sie, und geschehen muss auch etwas.

Wichtig ist natürlich, dass der Gesetzgeber handelt. Es muss, so gut es geht, Vorsorge getroffen werden, dass solche Fälle sich nicht wiederholen. Zum anderen müssen offenbar gewordene Verfehlungen geahndet werden. Soweit es sich um die Verletzung von Rechtsregeln handelt, ist entweder der Staatsanwalt gefordert oder es sind zivilrechtliche Ansprüche zu prüfen.

Daneben aber gibt es den Bereich, der rechtlich nicht zu erfassen ist. Das sind Verhaltensweisen, die sich aus Anstand verbieten und deren Verletzung von manchen zutreffend als „Sauerei“ bezeichnet werden. Es ist empörend, wenn drastische Gehaltsaufbesserungen von Vorständen erfolgen bei gleichzeitigen Massenentlassungen. Oder, wenn Manager ein Geldhaus wie die Bankgesellschaft an den Rand der Insolvenz wirtschaften und gleichzeitig selbst auf Kosten des Hauses einen großzügigen Lebensstil pflegen. Soweit solche Vorgehensweisen sich nicht als Rechtsverstöße erweisen, sollten sie dennoch nicht ohne Folgen bleiben.

Was bisher fehlt, ist eine öffentliche Distanzierung der Managerkollegen. Derjenigen, die ihre Ämter korrekt und verantwortungsbewusst führen. Es genügt nicht, Regeln über das ethisch einwandfreie Verhalten von Managern aufzustellen, wie es die Regierungskommission zur Entwicklung von Grundsätzen in einem Deutschen Corporate Governance Kodex getan hat: Sie müssen auch angewendet werden. Man darf sich nicht wundern, wenn die besondere Dickfelligkeit einzelner Vorstände der Bankgesellschaft zu so genannten „öffentlichen Spaziergängen“ führt, wenn die Öffentlichkeit den Eindruck haben muss, dass Verfehlungen dieser Art keinerlei gesellschaftliche Konsequenzen haben.

Das ist keine Vorverurteilung. Es wäre nur eine Klarstellung, dass entsprechende Handlungen dem (Ehren-)Kodex der Topmanager zuwiderlaufen und dass sie von ihnen nicht geduldet werden. Selbst das, was nach einem solchen Maßstab noch tolerabel wäre, muss von der Öffentlichkeit nicht akzeptiert werden. Deshalb wäre es auch angebracht, dass Personen, die sich entsprechend verhalten, in ihrer bürgerlichen Umwelt auf Distanz gehalten werden. Warum trennt sich nicht ein Club von einem Mitglied, das sich uneinsichtig verhält? Das glaubt, eine horrend hohe Abfindung verdient zu haben – wie der frühere Mannesmann-Vorsitzende Klaus Esser. Wenn er jetzt versucht, den Spieß umzudrehen und sogar Schmerzensgeld wegen Rufschädigung durch das gegen ihn eingeleitete staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren verlangt, zeigt dies, dass er völlig den Bezug zur Realität verloren hat. Salopp könnte man ein solches Benehmen als „durchgeknallt“ bezeichnen. In Zeiten, in denen die Moralvorstellungen einer großbürgerlichen Gesellschaft galten, haben sich Leute dieses Kalibers automatisch selbst isoliert. Man sprach davon, dass sie einen „bürgerlichen Tod“ erlitten hätten. War das so falsch?

Wenn die Klasse derjenigen, der die Missetäter angehören, das Thema durch Stillschweigen oder Wegsehen übergeht, entsteht der Eindruck, eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Es geht aber gar nicht nur um eine Distanzierung, um deutlich zu machen, dass ein solcher Verstoß nicht kommentarlos akzeptiert wird. Entscheidend ist, dass die Öffentlichkeit vermittelt bekommt, dass es sich um verwerfliche Einzelfälle handelt. Das Ziel ist, verloren gegangenes Vertrauen wieder zu gewinnen. Wie sollen Mitarbeiter, Kleinaktionäre und die Öffentlichkeit davon überzeugt werden, dass von kranken Ausnahmefällen nicht auf das Ganze geschlossen werden darf? Wie soll eine betriebliche Partnerschaft funktionieren, wenn sich die Spitze maßlos bedient und gleichzeitig um Prozentpunkte bei den Tarifverhandlungen gerungen wird, mit dem Hinweis, die Existenz des Unternehmens sei gefährdet?

Es soll nicht jemand zusätzlich an den Pranger gestellt werden. Das haben die Betroffenen durch ihr eigenes Verhalten selbst bewirkt. Wichtig ist, dass das gegeißelt wird, was sich außerhalb von Norm und Anstand bewegt, damit nicht der Eindruck entsteht, dies sei üblich. Die Politik ist hier schon einen Schritt weiter. Es dauert gelegentlich immer noch unverständlich lange, bis Fehlverhalten zu Konsequenzen führt. Generell ist der Selbstreinigungsprozess zwar mühsam, zunehmend findet er aber doch statt. Die mehr oder weniger freiwilligen Rücktritte von politischen Ämtern in letzter Zeit belegen dies. Hier hat man endlich begriffen, dass das Vertrauen in die Integrität der Politik und ihre Vertreter nur auf solche Weise wieder hergestellt werden kann. Wann ist das in der Wirtschaft auch so weit?

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