Wirtschaft : Kurzmeldungen

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Monate vor den Anschlägen ins Minus gerutscht, auch in Deutschland schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt. Aber schon im vierten Quartal 2001 schafften die Vereinigten Staaten wieder ein Plus von 2,7 Prozent, sogar fünf Prozent Anfang 2002. Die Europäer indes warten noch auf den Aufschwung.

Dieses Warten könnte bereits ein Ende haben, wären die Angriffe ausgeblieben. „Der wirtschaftliche Abwärtstrend war schon vor dem 11. September zu spüren, die Terroristen haben ihn nur verstärkt“, sagt Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz Dresdner Group. Und verlängert. Denn die Talsohle sahen die meisten Ökonomen eigentlich im Herbst des vergangenen Jahres schon erreicht. Der Abschwung der Konjunktur wäre ohne Anschlag viel früher zu Ende gewesen. „Die Erholung, die wir nun für Anfang kommenden Jahres erwarten, hätte bereits früher stattgefunden", ist sich Heise sicher.

Und noch jetzt wirkt der 11. September dämpfend auf die Aussichten. Hätte es die Anschläge nicht gegeben, gäbe es nun auch den Konflikt mit dem Irak in der Härte nicht. Der Ölpreis hat in den vergangenen Tagen bereits ein Elf-Monats-Hoch erreicht, Händler sprechen von einem Risikoaufschlag von fünf bis sieben Dollar pro Ölfass. „Wenn es zu einem längeren Krieg kommt, der den gesamten Nahen Osten destabilisiert, könnte die Konjunktur über teurere Rohstoffe wieder einen empfindlichen Dämpfer bekommen“, befürchtet IfW-Experte Scheide.

Doch auch wenn Amerika im Irak nicht interveniert, werden die Terrorfolgen die Weltwirtschaft noch viele Jahre belasten und das Wachstum schmälern. Scheide: „Durch die Anschläge sind wir alle auf Dauer ärmer geworden.“ So wird zum Beispiel der Welthandel gebremst. „Der globale Austausch von Gütern ist um rund zehn Prozent teurer geworden“, schätzt Thomas Straubhaar, Präsident des Hamburgischen Welt-Wirtschaftsarchivs (HWWA). Fracht per Schiff oder Flugzeug zu transportieren sei wegen der schärferen Sicherheitsbestimmungen teurer und dauere länger als früher. „Zudem müssen Unternehmen höhere Versicherungsprämien zahlen und mehr Geld für sichere Computersysteme ausgeben“, sagt Straubhaar. Und die Urlauber würden statt teurer Fernreisen Urlaub im eigenen Land vorziehen.

Die Unsicherheit lähmt

Obendrein beansprucht der Staat mehr Geld für sich, für Rüstung und Sicherheit zum Beispiel. Die USA etwa finanzieren ihr enormes Ausgabenprogramm über Schulden. So hat sich der üppige Budgetüberschuss von 127 Milliarden Dollar binnen zwölf Monaten in ein Defizit von vermutlich 165 Milliarden Dollar verwandelt. Das größte Problem ist indes die Unsicherheit. „Unternehmen, Verbraucher und vor allem die Finanzmärkte sind noch immer tief verunsichert und halten sich mit Käufen und Investitionen zurück“, so Allianz-Chefökonom Heise. Deshalb wären erneute Anschläge auf den Westen die größte Wachstumsbremse.

Schlüsse aus der neuen Bedrohung haben die Industrieländer trotzdem für ihre Wirtschaftspolitik noch nicht gezogen. Viele Experten glauben, dass die ungleiche Verteilung des Reichtums in der Welt den Terror zwar nicht ausgelöst, ihn aber mit begünstigt haben könnte. Aber noch immer leben zwei von drei Menschen am Rande des Existenzminimums und sind vom Wohlstand der westlichen Welt ausgeschlossen. Ein Grund: Die Industrieländer schotten ihre Märkte für Produkte aus der Dritten Welt ab. „Die Industrieländer müssen endlich mehr Freihandel zulassen“, fordert HWWA-Chef Straubhaar. „Erst dann können alle Menschen von der Globalisierung profitieren.“

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