Wirtschaft : Kurzmeldungen

Nicole Adolph

Die Werbeanzeigen der Dessous-Hersteller klingen verheißungsvoll: Sie versprechen Frauen eine Silhouette mit perfekt geformten Rundungen, ein Dekolleté mit skulpturähnlicher Note oder einen Traumbusen, der Männern den Atem raubt. Die Suche nach der Zauber-Unterwäsche, die alle Figurprobleme löst und sich federleicht trägt, ist dagegen meist ernüchternd. Vorausgesetzt, man hat nicht die Traummaße von Barbie, gibt es immer einen Haken: Sei es, dass ein Speckröllchen unter dem BH hervorquillt; sei es, dass sich die Nähte des figurformenden Slips in die Haut bohren.

Die perfekte Unterwäsche ist bisher eine Illusion geblieben. Wer verführerisch aussehen will, muss sich immer auch ein bisschen quälen. Immerhin muss sich heute keine Frau mehr, wie zu Großmutters Zeiten, in panzerartige Unterhosen und zwickende Fischbein-Korsagen zwängen, um ihre Figur zur Geltung zu bringen. Denn ein Stückchen näher sind die Dessoushersteller der Zauberwäsche schon gekommen. Vor allem Büstenhalter sind mittlerweile in nahezu allen erdenklichen Formen und Materialien auf dem Markt. Beliebt sind momentan BHs ohne Nähte, bei denen nichts drückt und sich nichts abzeichnet.

Bei Marktführer Triumph ist der BH ohne Naht (Simply Soft, ab 23 Euro) eigenen Angaben zufolge der „meistverkaufte und erfolgreichste BH aller Zeiten“. Groß ist zurzeit auch die Nachfrage nach BHs mit durchsichtigen Trägern aus Kunststoff, die man unter schulterfreien Oberteilen trägt, und nach Multifunktions-BHs. Meist haben sie transparente und zusätzlich farblich zum BH passende Träger und können gerade und überkreuz, aber auch als Neckholder getragen werden.

Bei der Form der BHs wandelt sich die Mode wieder: Die Zeiten, in denen twiggy-ähnliche Models wie Kate Moss gefragt waren, sind vorbei. Von Plakatwänden lächeln jetzt wieder dralle Models á la Anna Nicole Smith. „Momentan geht der Trend wieder zum großen Busen“, bestätigt Gabriele Sievers, Sprecherin von Palmers Deutschland. Die Hersteller haben darauf reagiert: Um ein üppiges Dekolleté herbeizuzaubern, gibt es längst mehr Möglichkeiten als den „Wonderbra“, mit dem die US-Firma Playtex vor ein paar Jahren für Furore sorgte. Während der Wonderbra den Busen nur mit Hilfe von kleinen Stoff-Pölsterchen verstärkt, gibt es jetzt Varianten, die kleine Brüste groß herauskommen lassen. Sie sind entweder mit Silikon, Gelee oder Luft gefüllt. Letztere enthalten aufblasbare Luftkissen, so dass die Frau ihr Brustvolumen nach Belieben variieren kann (Air Bra von Triumph, ab 32,95 Euro). Einige Hersteller bieten auch BHs an, die mit einem Gemisch aus Wasser und Öl gefüllt sind und die Körpertemperatur annehmen. Dazu gehören der „Waterbra“ von Palmers und der „Aquabra“ von Schiesser (40 Euro). Der Nachteil der Power-Push-ups: Sie sind relativ schwer und vermitteln der Trägerin das Gefühl, mindestens ein Kilo mehr zu wiegen.

Wer eher die Sinne als das Auge betören will, dürfte sich von dem BH mit integriertem Duftdepot („Amourette 41" von Triumph; 34,95 Euro) angezogen fühlen. Er enthält ein kleines, herausnehmbares Kissen, das mit Parfüm besprüht werden kann.

Für Frauen, die eher Probleme in der Bauch-, Po- und Oberschenkelzone als beim Busen haben, gibt es neue figurformende Miederhosen und stützende Strumpfhosen, die sehr feine oder gar keine Nähte haben und nicht ins Fleisch einschneiden. Anders als der berüchtigte hautfarbene „Liebestöter“ heißen sie heute Pantys und kommen in vielen Farben und mit ausgefalleneren Stoffen daher.

Nach wie vor im Trend sind erotische Dessous. Dabei tragen Frauen am liebsten feine BHs aus Seide oder Spitze und dazu passende Mini-Slips. String-Tangas sind einer Umfrage im Auftrag der Zeitschrift „Textilwirtschaft" zufolge eher bei Frauen um die Zwanzig begehrt. Auch von den befragten Männern steht nur jeder Dritte auf die Slips, bei denen die Pobacken herausschauen.

Bei den Stoffen sind die Dessous-Hersteller zurzeit ganz auf Romantik eingestellt: „Die Frühjahrs-Sommer-Kollektion ist verspielt und zart mit viel Spitze und Tüll“, sagt Palmers-Sprecherin Sievers. Palmers hüllt Frauen in eine transparente schwarze Spitzen-Kombination mit aufgestickten roten Rosen (Modell „Rosina": Bügel-BH für 44,90 Euro, Strapsröckchen für 49,90 Euro). Auch Schiesser, sonst eher bekannt für sportlich-brave Unterwäsche in Rippen-Optik, setzt in diesem Sommer auf romantische und folkloristische Elemente und auf verspielte Mustermixe aus Blumen und Karos. Wer ein bisschen tiefer ins Portemonnaie greifen will, findet edle Spitze und Tüll von Herstellern wie La Perla, Chantelle oder Princesse Tam Tam (BHs meist 40 bis 90 Euro, Strings ab 25 Euro). Dessous-Trendsetterinnen tragen zurzeit vorwiegend Rosé- und Brauntöne, kräftiges Rot und Orange. Auch die lange Zeit verpönte Hautfarbe feiert seit einiger Zeit ein Comeback. Joop hat einen hautfarbenen Stoff-Body kreiiert (99,95 Euro) und auch bei Hanro und Chantelle ist fleischfarbene Unterwäsche wieder salonfähig geworden. „Weil leichte Chiffonstoffe zurzeit modern sind, tragen Frauen darunter wieder gerne Hautfarben", sagt eine Verkäuferin des Münchner Dessousgeschäfts Franziska Krines.

Wer bei kaltem Schmuddelwetter sexy aussehen und trotzdem nicht frieren will, hat allerdings Pech gehabt. „Warme und erotische Dessous schließen sich gegenseitig aus", sagt Peter Giernot, Hauptgeschäftsführer des Verbands der deutschen Maschenindustrie.

Der Grund: Aufreizende Dessous enthalten viel Elasthan, damit die Teile sich dehnen können. Dieses Material wärmt aber nicht. Umgekehrt haben wärmende Teile aus Angora und Wollmischungen keine Elastik und wirken somit nicht sonderlich erotisch. Ein guter Kompromiss ist Unterwäsche aus Seide, die im Sommer kühlt, im Winter wärmt und auch noch elegant aussieht. Wer seinen Körper in Seide hüllen will, muss allerdings schon etwas mehr bezahlen. Seidenhemdchen mit einer Spitzenverzierung gibt es zum Beispiel von Lisanza ab 80 Euro.

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