Wirtschaft : Kurzmeldungen

-

Berlin/München (mot/nad/dpa). Berichte über einen akuten Kapitalbedarf der Münchener HypoVereinsbank (HVB) haben am Donnerstag den Aktienkurs der HVB stark unter Druck gesetzt. Nach Informationen des Handelsblatts plant die Bank, eine so genannte Pflichtwandelanleihe (siehe Kasten) im Volumen von drei bis vier Milliarden Euro auszugeben. HVB-Chef Dieter Rampl widersprach der Darstellung in einem Brief an die Mitarbeiter. Aufsichtsrats- und Analystenkreise hielten eine Kapitalmaßnahme der HVB zum jetzigen Zeitpunkt für unwahrscheinlich. Auch die Bankenaufsicht sieht bei der Bank keinen aktuellen Bedarf, die Eigenmittel zu erhöhen Die Aktie verlor zeitweise dennoch mehr als 15 Prozent. Bei Börsenschluss kostete die Aktie 8,60 Euro – 10,4 Prozent weniger als am Mittwoch.

Wegen ihres großen Kreditbuches und der Krise an den Börsen hatte das zweitgrößte deutsche Geldinstitut im Jahr 2002 erstmals einen Jahresverlust ausgewiesen – vor Steuern betrug das Minus 821 Millionen Euro. Die Kernkapitalquote liegt derzeit nur bei 5,6 Prozent. Rampl hat angekündigt, die Quote bis Ende 2003 wieder auf sieben Prozent anzuheben. Er betonte mehrfach, dazu sei keine Kapitalerhöhung geplant. Vielmehr solle die Bank durch den Verkauf von Beteiligungen, eine Reduzierung der Risikoaktiva und striktes Kostenmanagement entlastet werden. Zusätzlich zu den angekündigten 9100 Stellen sollen nun weitere 1000 Arbeitsplätze gestrichen, Gehälter gekürzt und Bonuszahlungen ausgesetzt werden.

Vorstand: „Keine Beschlussfassung“

„Es gibt keine Beschlussfassung über einen ,mandatory convertible bond’ (Zwangswandelanleihe)“, erklärte Rampl in seinem Schreiben. „Die Informationen und Interpretationen sind falsch.“ Das gelte auch für die Spekulation, die Finanzlage der Bank sei schlechter als mitgeteilt. „Das Geld unserer Kunden ist bei uns absolut sicher.“ Rampl sprach von Störfeuer und Rufschädigung. Eine Anleihe schloss er indes nicht ausdrücklich aus. „Selbstverständlich prüfen wir alle Optionen zur Verbesserung unserer Kapitalausstattung.“ Ein HVB-Sprecher wies darauf hin, dass eine Anleihe in der genannten Größenordnung derzeit gar nicht möglich sei, da das von der Hauptversammlung genehmigte Kapital nur 1,08 Milliarden Euro betrage. Die Münchener Rück als Hauptaktionär der HVB wollte sich nicht äußern.

HVB-Aufsichtsratsmitglied Klaus Grünewald bestätigte dem Tagesspiegel: „Es gibt keine entsprechenden Überlegungen in der Bank.“ Der Arbeitnehmervertreter glaubt, das Gerücht, die HVB bereite eine entsprechende Anleihe vor, sei von „interessierten Finanzkreisen in Frankfurt und London“ gestreut worden. Außerdem brauche die Bank für eine solche Kapitalmaßnahme die Zustimmung der Münchener Rück, die es bisher nicht gebe. Dass die HVB in ernsten Schwierigkeiten steckt, räumt allerdings auch Grünewald ein. Mit Blick auf den im vergangenen Jahr angehäuften Verlust sagte er: „Noch so ein Jahr, dann haben wir einen neuen Vorstand – und in drei Jahren ist ein neuer Eigentümer eingezogen.“

Bundesbank: „HVB auf gutem Wege“

Nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank sind Solvenz und Liquidität der Hypo-Vereinsbank ungeachtet aller Spekulationen über eine Wandelanleihe gewährleistet. „Die HVB hat aus Sicht der Bundesbank bereits vor einiger Zeit geeignete Maßnahmen zur Stärkung ihrer wirtschaftlichen Situation getroffen und ist meines Erachtens auf gutem Wege“, sagte Vorstandsmitglied Edgar Meister. Aus Sicht der Bankenaufsicht bestehe kein aktueller Bedarf für eine Erhöhung der Eigenmittel. Dieser Meinung ist auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin). „Wir sehen keinen aufsichtlichen Grund für eine Kapital erhöhende Maßnahme“, sagte eine Sprecherin. Die Eigenkapitalquote liege „deutlich über dem aufsichtsrechtlichen Minimum“.

Analysten halten die Ausgabe einer Wandelanleihe zum jetzigen Zeitpunkt für unwahrscheinlich. „Ein solcher Schritt ist jetzt sicher nicht notwendig, um die Existenz der HVB zu sichern“, sagte Jörn Kissenkötter von M. M. Warburg. „Wenn die Bank jetzt eine Anleihe begäbe, ohne die übrigen Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben, würde sie an Glaubwürdigkeit verlieren“, sagte Andreas Pläsier von der Berenberg Bank.

0 Kommentare

Neuester Kommentar