Wirtschaft : Kurzmeldungen

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Was können wir von anderen lernen? Was empfehlen die Profis? Wir haben die Berater von Kienbaum, Accenture und Cap Gemini Ernst & Young gefragt. „Die USA, Finnland oder auch Kanada schaffen dreimal so viele Jobs wie Deutschland und die Abgabenquoten in diesen Ländern liegen bis zu 20 Prozent niedriger“, sagt Jochen Kienbaum. Dort, wo die Arbeitslosigkeit gering ist, wurden die Arbeitsmärkte liberalisiert und auf eine fordernde Sozialpolitik gesetzt. Das muss nicht unbedingt mit Sozialabbau einher gehen, wie Accenture betont. So wurde beispielsweise in Dänemark der Kündigungsschutz zwar abgeschafft, steuerliche Entlastungen und hohe staatliche Investitionen wurden aber parallel durchgeführt. „Das Geheimnis der dänischen ,Flexurity’ ist eine gesunde Mischung aus Flexibilität des Arbeitsmarktes, Mobilität der Beschäftigten und Sicherheit“, konstatiert Accenture.

Die Bundesrepublik ächzt unter der hohen Staatsverschuldung, die inzwischen 70 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht. Für Accenture ist unverzichtbar, dass über eine höhere Beschäftigungsquote „das wohlfahrtsstaatliche System entlastet wird“. Ferner müssen die Bürger mehr Eigenverantwortung/Eigenvorsorge übernehmen und die Staatsquote ist zu reduzieren. Kienbaum hebt Spanien und Portugal hervor, die deutlich geringere Haushaltsprobleme haben als Deutschland. „Der strikte Sparkurs und die zweite Arbeitsmarktreform der Regierung Aznar haben Spanien auf einen Spitzenplatz in Sachen Haushaltskonsolidierung in der EU gebracht.“

Gefordert wird auch ein schlankerer Staat und weniger Bürokratie. Denn Bürokratie kostet Unternehmen und Staat viel Geld. Laut dem jüngsten Bericht der bayerischen Deregulierungskommission machen die durch Bürokratie entstandenen Kosten bis zu sieben Prozent des Umsatzes aus. Der Weltbank zufolge dauert die Gründung einer Firma in Deutschland 45 Tage – in Australien sind es nur zwei. „Jungunternehmer in Australien haben somit 1,5 Monate Vorsprung vor den deutschen StartUp’s“, kritisiert Accenture.

Bildung ist der wichtigste Standortfaktor der Bundesrepublik. Doch der OECD zufolge wird hier zu Lande nur 5,3 Prozent des Bruttoinlandprodukts für Bildung ausgegeben, deutlich weniger als in Kanada (6,4 Prozent), Dänemark (6,7 Prozent) oder den Vereinigten Staaten (7,0 Prozent). Ohne höhere Bildungsausgaben und eine Reform des Bildungssystems ist der Lebensstandard in Deutschland nicht zu halten. Ganz vorne liegen die Finnen, wie nicht nur Pisa gezeigt hat. Nach Einschätzung von Kienbaum ist Finnland auch deshalb Musterland, „weil der Beruf des Lehrers einen weit höheren gesellschaftlichen Stellenwert besitzt als bei uns“.

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