• Kurznachrichtendienst geht an die Börse: Twitter erhofft sich eine Milliarde Dollar durch Börsengang

Kurznachrichtendienst geht an die Börse : Twitter erhofft sich eine Milliarde Dollar durch Börsengang

Die Erwartungen sind hoch an den prominentesten Börsengang des Jahres, der voraussichtlich im November stattfinden wird. Schon jetzt gab Twitter aber auch erstmals einen Einblick in seine Geschäftsbücher.

Twitter geht im November an die Börse.
Twitter geht im November an die Börse.Foto: Reuters

Der Kurznachrichtendienst Twitter will bei seinem Börsengang bis zu eine Milliarde Dollar einnehmen. Das Unternehmen schreibt bislang Verluste, während der Umsatz wächst. Das geht aus dem Börsenprospekt hervor, den Twitter in der Nacht zum Freitag vorlegte. Der Online-Dienst hatte den seit langem erwarteten Börsengang vor drei Wochen angekündigt, zunächst aber alle Details geheimgehalten.

Die Investoren soll vor allem die große Reichweite anlocken: Laut dem Börsenprospekt hat Twitter mehr als 215 Millionen aktive Nutzer pro Monat. Rund 100 Millionen Menschen nutzten den Dienst sogar täglich, „und das annähernd weltumspannend“, hieß es. Sie schrieben rund 500 Millionen Tweets pro Tag - das sind die maximal 140 Zeichen langen Nachrichten, die auch Links zu Fotos, Videos oder Websites enthalten können.

Einen Termin für den Börsengang von Twitter gibt es noch nicht

Einen genauen Termin für den Börsengang nennt Twitter bisher nicht. Gerechnet wird mit November. Zunächst muss Twitter die Anleger auf einer sogenannten Roadshow überzeugen, ins Unternehmen zu investieren.
Die Anleger werden sich nun die Geschäftszahlen ganz genau anschauen: Während Twitter im Jahr 2010 erst 28 Millionen Dollar an Einnahmen hatte, waren es 2011 schon 106 Millionen und im vergangenen Jahr dann 317 Millionen. Und Twitter wächst weiter: Im ersten Halbjahr diesen Jahres hat das Unternehmen bereits 254 Millionen Dollar Umsatz gemacht.

Allerdings verliert Twitter - wenig überraschend für Experten - bislang Geld. Alleine im ersten Halbjahr lag der Verlust bei unterm Strich 69 Millionen Dollar und war damit fast eineinhalb Mal so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Insgesamt sammelte sich in den Jahren ein Minus von fast 420 Millionen Dollar an.

Twitter erhält seine Einnahmen vor allem aus Werbung

Der Börsengang dürfte zumindest einen neuen Milliardär schaffen: Mitgründer Evan Williams ist größter Anteilseigner mit 12,0 Prozent. Sein Kompagnon Jack Dorsey, der als letzter des Gründertrios noch bei Twitter aktiv ist, kommt auf 4,9 Prozent. Der aktuelle Chef Dick Costolo hält 1,6 Prozent der Anteile.

Haupteinnahmequelle des Unternehmens ist Werbung, eingestreut in den Nachrichtenstrom. Fast zwei Drittel der Anzeigen-Erlöse kommen von mobilen Geräten. Dem stehen jedoch hohe Ausgaben für Rechenzentren, neue Produkte und die Vermarktung gegenüber.

Twitter ist der prominenteste Börsengang des Jahres

Die Aktienplatzierung wird der prominenteste Börsengang eines Internet-Unternehmens seit Facebook im Mai vergangenen Jahres. Facebook kam zuletzt auf 1,15 Milliarden Mitglieder und ist an der Börse inzwischen rund 120 Milliarden Dollar wert. Allerdings brauchte die Facebook-Aktie mehr als ein Jahr, um nach einem anfänglichen Kurseinbruch auf den Ausgabekurs zurückzukehren.

Twitter hat sich zu einem Medium für schnelle Nachrichten gemausert. So ist der Dienst bei dramatischen Ereignissen wie dem Bombenanschlag auf den Marathon in Boston dank seiner vielen Nutzer eine der schnellsten Informationsquellen, wenn auch nicht immer eine der verlässlichsten.

Twitter hatte Mitte September in einem Tweet enthüllt, dass das Unternehmen im Geheimen seinen Börsengang angestoßen habe. Der Kurznachrichtendienst konnte als junges Unternehmen seinen Börsenprospekt zunächst geheim halten.

Der Börsenprospekt ist eine umfangreiche Selbstdarstellung des Unternehmens samt Geschäftszahlen, Risiken, Aussichten und Eigentumsverhältnissen. Als Risiko wird ausdrücklich die Marktmacht größerer Technologiefirmen genannt, allen voran Google.

Twitter verpflichtete neben den federführenden Wall-Street-Häusern Goldman Sachs, JPMorgan Chase und Morgan Stanley unter anderem auch die Deutsche Bank, dem Unternehmen beim Schritt aufs Parkett zu helfen. Das Börsenkürzel lautet „TWTR“. (dpa)

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