Wirtschaft : „Kyrill“ kostet mehr als drei Milliarden

Versicherer leiden unter Klimawandel und dem Preiskampf in der Autoversicherung – die wird jetzt teurer

Heike Jahberg

Berlin - Der Orkan „Kyrill“, der im Januar durch Deutschland gefegt war, hat weitaus höhere Schäden angerichtet als bislang geschätzt. Die Sturmschäden dürften sich auf über drei Milliarden Euro belaufen, teilte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Montag in Berlin mit. „Es können auch bis zu 3,5 Milliarden Euro sein“, sagte GDV-Vorstandsmitglied Edmund Schwake. Noch seien nicht alle Schäden abgerechnet. Der Verband war bislang von zwei Milliarden Euro ausgegangen.

Die Klimaveränderung macht der Versicherungswirtschaft zunehmend Sorge. „Wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, um ein möglichst präzises Bild über die zu erwartenden Kumulereignisse, ihre Intensitäten und ihre Schadensausmaße zu bekommen“, betonte Schwake, der im Verband für die Sach- und Schadenversicherungen zuständig ist. Die bisherigen Daten seien angesichts der Klimaveränderungen „nur noch begrenzt aussagekräftig.“ Anhand der neuen Daten will die Branche bis Ende des Jahres überprüft haben, ob Produktinnovationen notwendig sind und ob man bestehende Produkte und Tarife anpassen muss. Was sich bereits jetzt abzeichnet, sind verstärkte Selbstbehalte in der Hausrat- und Wohngebäudeversicherung. Zudem dürften die Tarife stärker als bisher von Region zu Region variieren.

Für die Schaden- und Sachversicherer wird das Geschäft schwieriger. Der Gewinn im eigentlichen Versicherungsgeschäft wird sich in diesem Jahr von 3,9 Milliarden Euro auf 1,3 Milliarden Euro oder weniger reduzieren, prognostizierte Schwake. Allein die Erstattungen für Schäden an Wohngebäuden seien wegen „Kyrill“ um 45 Prozent in die Höhe geschnellt. Mit einer Schaden-Kosten-Quote von 140 Prozent – für einen Beitragseuro werden 1,40 Euro ausgegeben – steckt die Wohngebäudeversicherung tief in den roten Zahlen. In der gesamten Schaden- und Sachversicherung dürfte sich die Schaden-Kosten-Quote von 93 Prozent im Vorjahr auf 97 Prozent verschlechtern. Über einer Quote über 100 Prozent arbeitet eine Versicherung nicht mehr kostendeckend.

Neben „Kyrill“ drückt auch der Preiskampf in der Autoversicherung die Gewinne der Branche. In der Kfz-Haftpflichtversicherung liegt die durchschnittliche Jahresprämie jetzt bei 234 Euro, in der Vollkaskoversicherung bei 278 Euro, berichtete Schwake. Das sei ein Niveau, „wie wir es zuletzt vor 25 Jahren gesehen haben“. In dieser Zeit hätten sich die Lebenshaltungskosten jedoch um fast 60 Prozent erhöht. Für das laufende Jahr rechnet der Verband mit einem Beitragsrückgang von 2,4 Prozent. Bei den Neuverträgen zeichnet sich nach Angaben Schwakes jedoch eine Trendwende ab. Statt die Prämien weiter zu senken, würden jetzt eher Erhöhungen vorgenommen, so Schwake.

Auch die Reform des Versicherungsvertragsgesetzes setzt der Branche zu. Das neue Gesetz wird voraussichtlich Anfang Juli vom Bundestag beschlossen und soll Anfang 2008 in Kraft treten. Mit dem Gesetz will die Bundesregierung den Verbrauchern mehr Rechte gegenüber den Versicherern einräumen, sie stärker an den Gewinnen der Unternehmen beteiligen und die Branche zu größerer Transparenz zwingen. Nach Meinung des GDV schießt Bundesjustizministerin Brigitte Zypries dabei jedoch über das Ziel hinaus. Die Informationen, die verlangt würden, seien verwirrend und viel zu detailliert. Der Verband verhandelt mit dem Ministerium über Korrekturen.

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