Länder-Ranking : Berlin und Brandenburg vorn

Die neuen Bundesländer entwickeln sich am schnellsten. Das zeigt ein neues Länder-Ranking.

Severine Weber

Berlin - Die neuen Bundesländer haben die Folgen der Krise besser verkraftet als die alten. In den vergangenen vier Jahren entwickelten sie sich am dynamischsten. Dennoch rangieren sie bei Wirtschaftskraft und Lebensstandard weiter hinter Westdeutschland. Das ergab das achte Bundesländerranking des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), der „Wirtschaftswoche“ und der Initiative Neue soziale Marktwirtschaft. Die Initiative wird vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall finanziert.

In der aktuellen Studie untersuchte das IW einerseits die Wirtschaftsdynamik der Bundesländer zwischen 2006 und 2009 (Dynamik-Ranking) und andererseits die derzeitige Wirtschaftskraft (Bestandsranking). Für die Studie berücksichtigte das IW knapp 100 ökonomische Indikatoren wie das Einkommen je Einwohner oder die Zahl der Beschäftigten und Arbeitslosen. Berlin liegt bei der wirtschaftlichen Dynamik auf Platz drei. Zwischen 2006 bis 2009 wurden in der Hauptstadt im Vergleich der 16 Bundesländer die meisten Arbeitsplätze geschaffen – insgesamt 98 000. Profitieren konnte Berlin vor allem im Dienstleistungssektor von einer hohen Zahl innovativer Unternehmen und Selbstständiger. Dass Berlin innovativer wird, zeigt auch eine Studie der Deutsche Bank Research. Berlin landete da mit seiner Innovationsleistung auf Platz sechs. Besonders positiv bewerteten die Banker die Dichte an Forschungs- und Bildungsinstitutionen, hohe Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie den Zuzug junger und gut ausgebildeter Menschen. Letzteres belegt auch das Länderranking. Denn die Hauptstadt verzeichnete nach Hamburg den stärksten Einwohneranstieg.

Besonders schnell entwickelte sich die Wirtschaft in Brandenburg. Noch vor Berlin landete das Bundesland im Dynamik-Ranking auf Platz eins. In Brandenburg veränderte sich vor allem der Arbeitsmarkt und der Bildungsbereich positiv. Zwischen 2006 und 2009 nahm die Jugendarbeitslosigkeit besonders stark ab. Zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung profitieren die neuen Bundesländer und die Hauptstadt von der dynamischenWirtschaftsleistung, teilte das IW am Freitag mit. Das sei ein Beleg dafür, dass die Wirtschaft im Osten Fuß fasse.

Trotz der dynamischen Entwicklung der letzten Jahre bleibt der Osten beim Bestandsranking auf den hinteren Plätzen. Unverändert führen Bayern, Baden- Württemberg und Hamburg. Zwar stockte deren wirtschaftliche Entwicklung infolge der Finanzkrise, doch sind dort Wohlstand, Kaufkraft und Export am höchsten – und Arbeitslosigkeit sowie Kriminalität besonders niedrig. Gerade mit letzteren Problemen hat Berlin zu kämpfen. Mit der bundesweit höchsten Arbeitslosigkeit und Kriminalitätsrate sowie dem höchsten Anteil an Arbeitslosengeld-II-Empfängern bildet die Hauptstadt das Schlusslicht im Bestandsranking. Dagegen kämpfte sich mit Thüringen erstmals ein ostdeutsches Bundesland vor ein westliches. Mit einem starken Dienstleistungssektor und einer zukunftsgerichteten Industrie überholte Thüringen Bremen.

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