Wirtschaft : Länger arbeiten für die Rente Weitere Reformen sind nötig – egal, wer gewinnt

Cordula Eubel

Berlin – Die Politik hat in den letzten Jahren bei der Rente zwei grundsätzliche Wechsel vollzogen: Die Ausgaben orientieren sich jetzt stärker an den Einnahmen – und nicht umgekehrt. Außerdem soll flächendeckend die kapitalgedeckte Zusatzvorsorge etabliert werden. Damit sind die langfristigen Probleme der Rentenversicherung erledigt, lobt der Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen.

Dennoch ist absehbar, dass es auch in den nächsten Jahren zumindest kleinere Rentenreformen geben wird. Die Politik hat folgende Ziele bereits vorgegeben: Die Rentenbeiträge sollen bis 2020 nicht über 20 Prozent und bis 2030 nicht über 22 Prozent steigen. Dafür sinkt das Rentenniveau (netto vor Steuern) von derzeit gut 52 Prozent über 46 Prozent im Jahr 2020 auf 43 Prozent im Jahr 2030. Nach Ansicht des Rentenexperten Bert Rürup muss nachgesteuert werden, weil die Rentenkassen schon jetzt zwei Milliarden Euro mehr ausgeben als geplant. Bei der schwachen Lohnentwicklung hätten die Renten 2005 um ein Prozent gekürzt werden müssen – stattdessen gab es eine Nullrunde. Rürup fordert daher, diese Kürzungen nachzuholen. Denn sonst müssten langfristig die Beiträge steigen oder das Rentenniveau weiter sinken.

Zentrale Aufgabe für die nächste Legislatur ist nach Ansicht von Experten die Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters. „Eine schrittweise Erhöhung auf 67 Jahre sollte schnellstmöglich beschlossen und ab 2010 umgesetzt werden“, fordert Rürup. Die Lebenserwartung der Menschen steigt ständig. Die Veränderungen würden erst in 20 bis 30 Jahren greifen, dann dürfte auch die Situation am Arbeitsmarkt für Ältere besser aussehen. Die Politik muss prüfen, ob sie zusätzliche Anreize für den Aufbau der betrieblichen und der privaten Altersvorsorge schaffen will. Bis 2008 soll über eine verpflichtende Riester-Rente entschieden werden.

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