Wirtschaft : Lästern und alles besser wissen – so vermasselt man sich den Berufsstart

Frauke Janßen (dpa)
Ich mach das! Wer sich zu sehr in den Vordergrund spielt, verliert. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Ich mach das! Wer sich zu sehr in den Vordergrund spielt, verliert. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die Ausbildung oder das Studium sind gemeistert, der erste Tag im Job wartet. Eigentlich steht der Karriere jetzt nichts mehr im Weg. Oder? Leider doch. Denn gerade beim Berufseinstieg lauern viele Fettnäpfchen. Viele denken, dass in erster Linie ihre fachliche Kompetenz darüber entscheidet, wie gut sie bei den Kollegen und dem Chef ankommen. Das ist aber weit gefehlt. „Im beruflichen Alltag sind Einfühlungsvermögen, Kompromissbereitschaft und Teamgeist gefragt“, sagt Stefan Gehring von der Arbeitsagentur in Ulm. Er berät Absolventen in Karrierefragen.

Berufseinsteiger kommen oft mit überhöhten Erwartungen an ihren neuen Arbeitsplatz. Der erste Tag ist dann häufig ernüchternd, wie der Karriereberater Jürgen Hesse aus Berlin beobachtet hat. „Man will und braucht zwar den neuen Mitarbeiter, aber niemand hat wirklich die Zeit, ihn gebührend willkommen zu heißen und ordentlich einzuarbeiten.“

Wer seine Kollegen mit selbst gebackenem Kuchen und einer langatmigen Vorstellungsrede von der Arbeit abhält, nervt schnell. „Weder die Plaudertasche noch der stumme Fisch sind gefragt“, warnt Hesse. „Stellen Sie sich Ihren Kollegen vor und erwarten Sie nicht, alles am ersten Tag zu erfahren.“ Das heißt: Beobachten, wie die Kollegen ihre Arbeit angehen, und genau zuhören, wenn etwas erklärt wird. Ist etwas unklar, sollten Neulinge aber Fragen stellen und sich so einbringen.

Mit Kritik halten sie sich dagegen besser zurück. „Manchmal fehlt schlicht das fachliche Hintergrundwissen“, warnt der Karriereberater Jürgen Lürssen. „Noch schlimmer: Die Kritik ist berechtigt, aber der Arbeitsablauf schon lange im Unternehmen etabliert“, ergänzt der Professor für Betriebswirtschaftlehre an der Leuphana Universität Lüneburg. Mit solcher Besserwisserei bringt man die Kollegen leicht gegen sich auf.

Wie aber lässt sich das Vertrauen der Kollegen gewinnen? „Indem man nicht nur über Dienstliches redet“, sagt Lürssen. Ein gemeinsames Hobby könne verbinden. Auch, nach der Arbeit ein Bier zusammen zu trinken. „Und gehen Sie unbedingt mit Ihren Kollegen in die Kantine“, fügt Jürgen Hesse hinzu. „Das Menschliche ist ausschlaggebend für den beruflichen Erfolg“, sagt Arbeitsvermittler Gehring. Damit einem in Stressphasen der Rücken gedeckt wird, ist es wichtig, ein Netzwerk im Betrieb aufzubauen.

Bei Vorgesetzten ist dagegen mehr Vorsicht geboten. Wer ständig versucht, einen persönlichen Draht zum Chef aufzubauen, fällt bei Kollegen schnell durch. Loyalität gegenüber dem Chef ist aber Pflicht. „Ein großer Fehler ist es, Vorgesetzte zu übergehen, schlecht über sie zu reden oder sich womöglich an noch höherer Stelle über sie zu beschweren“, warnt Lürssen. Frauke Janßen (dpa)

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