Wirtschaft : Lahmer Börsenstart für Jerini

Aktie der Berliner Biotech-Firma fällt zunächst unter den Ausgabepreis

Stefan Kaiser

Düsseldorf - Die Berliner Biotechnologiefirma Jerini ist schwach an der Börse gestartet. Die Aktie des Unternehmens wurde am Dienstag zum ersten Mal gehandelt und fiel sofort unter den Ausgabepreis von 3,20 Euro. Am späten Nachmittag erholte sich das Papier und schloss bei 3,20 Euro. „Das war ein enttäuschender Börsenstart“, sagte Florian Weber vom Düsseldorfer Aktienhändler DKM.

Bei Jerini zeigte man sich trotzdem froh. „Angesichts des schwierigen Börsenumfelds sind wir sehr zufrieden“, sagte Jerini-Chef Jens Schneider-Mergener dem Tagesspiegel. Immerhin habe man die Spanne für den Ausgabepreis nicht nach unten korrigieren müssen, wie es zuletzt bei einigen Börsenneulingen der Fall war. Die Preisspanne für die Jerini-Papiere hatte zwischen 3,20 und 3,60 Euro gelegen.

Das Unternehmen mit rund 100 Beschäftigten hatte sich bisher über Wagniskapital von Beteiligungsfirmen finanziert und so in den vergangen Jahren rund 71 Millionen Euro eingesammelt. Mit dem Börsengang hat Jerini nun weitere 49,6 Millionen Euro eingenommen. „Das ist das, was wir erwartet haben“, sagte Schneider-Mergener. „Dieses Geld wird vollständig ins Unternehmen fließen.“ Weitere Kapitalerhöhungen seien nicht notwendig.

Schneider-Mergener will das Geld nutzen, um sein am weitesten entwickeltes Medikament Icatibant zu vertreiben. Das Mittel soll gegen das so genannte Angioödem helfen – eine seltene Erbkrankheit, die Hände, Füße, Gesicht und Kehlkopf stark anschwellen lässt. Anfang 2006 sollen die klinischen Studien abgeschlossen sein. 2007 will Jerini das Medikament auf den Markt bringen.

Gewinne werden die Investoren aber wohl frühestens 2009 sehen. Dann soll Jerini erstmals schwarze Zahlen schreiben, schätzt die Deutsche Bank, die den Börsengang federführend begleitet hat.

Für Biotechnologie-Unternehmen ist eine solche Lage nichts Ungewöhnliches: Sie benötigen in den Anfangsjahren oft viel Geld, um ihre Forschung zu finanzieren. Ob die Investitionen erfolgreich sind, zeigt sich meist erst Jahre später. Deshalb gelten die Aktien der Unternehmen auch als sehr spekulativ.

„Biotech-Papiere sind momentan nicht in Mode“, sagt Thomas Brenning, Analyst bei der Investmentbank Helaba Trust. Die Investoren seien bei solch riskanten Anlagen zur Zeit eher skeptisch. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Berliner Biotechunternehmen Epigenomics den Schritt aufs Parkett gewagt, Anfang dieses Jahres war die Aachener Paion AG gefolgt. Beide hatten den Ausgabepreis mangels Nachfrage senken müssen und anschließend teilweise deutliche Kursverluste hinnehmen müssen. „Solche Unternehmen sind Zukunftsgeschichten“, warnte Aktienhändler Weber. „Entweder es klappt oder es klappt nicht.“

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