Wirtschaft : Lamborghini allein ist nicht genug - der VW-Konzern geht schweren Zeiten entgegen

Markus Fasse

Steigende Verkäufe und Milliardengewinne - doch die Volkswagen-Aktie kommt bei solchen Meldungen unter die Räder. Die VW-Anleger, könnte man meinen, sind ein undankbares Klientel, das das Papier nach Bekanntgabe der Neunmonatszahlen voreilig verkauft. Doch die Sache ist komplizierter. Denn der VW-Konzern geht schweren Zeiten entgegen, das ahnen die Anleger. Aus den Wolfsburger Zahlen wird ein Trend deutlich: Volkswagen erkauft sich die hohen Absatzzahlen mit niedrigeren Gewinnen, sprich Rabatten. Das gilt insbesondere für VW, die Kernmarke des Konzerns. Gleichzeitig ziehen die Verkäufe der Tochter Seat an. VW nimmt die Konkurrenz im eigenen Haus in Kauf. Damit rächt sich, was die Kritiker der Wolfsburger Plattform-Strategie immer befürchtet haben. Statt eines teuren Passats kaufen viele Kunden lieber einen billigen Skoda Octavia. Motor und Fahrwerk sind sowieso identisch.

Dass nun auch noch die Automobilkonjunktur in Deutschland einbricht, trifft VW doppelt hart. Weil VW-Boss Piëch die Verwundbarkeit seines Konzerns im Massengeschäft kennt, plant er die Flucht nach vorne. "Premiummarken" wie Bentley, Horch und Lamborghini sollen VW den Eintritt in die Luxusklasse sichern, in denen sich bislang nur Mercedes, BMW und Jaguar tummeln. In deren Geschäft einzubrechen ist ein schwieriges Unterfangen, gilt die Luxusklasse-Kundschaft doch als besonders markentreu. Mit Milliardeninvestionen hat Piëch nun Markennamen zusammengekauft. Nur: Bislang ist noch kein einziges Auto produziert. Sollte das in ein oder zwei Jahren passieren, könnte Piëch seinem strategischen Ziel, Volkswagen wetterfest zu machen, ein Stück näher sein. In dieser Krise freilich hilft es Volkswagen noch nicht.

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