Land der Betrüger : So schwindeln sich die Deutschen durchs Leben

Falsche Angaben im Job-Gespräch, Kakerlaken fürs Hotel-Upgrade: Kleine Schwindeleien erleichtern das Leben – einer Studie zufolge ganz erheblich.

von
Viele Deutsche lügen regelmäßig, um sich Vorteile zu verschaffen.
Viele Deutsche lügen regelmäßig, um sich Vorteile zu verschaffen.Foto: AFP

Lust auf Urlaub? Na, dann melden Sie sich doch krank! Sie wären in bester Gesellschaft: 44 Prozent der Deutschen, zeigt eine aktuelle Umfrage, haben ihre Ferien schonmal auf Krankenschein verlängert – fast jeder Zweite. Es ist bei weitem nicht der einzige Schwindel-Klassiker, wie die Studie im Auftrag des Berliner Cashback-Portals Shoop nahelegt. Wenn es darum geht, sich im Alltag Vorteile zu verschaffen, sind die Bundesbürger skrupellos und erfinderisch.

Pure Berechnung

Demnach haben 20 Prozent schon einmal ein privates Dinner als Geschäftsessen deklariert, um es von der Steuer abzusetzen. Diese Praxis ist besonders bei Männern beliebt (26 Prozent). Immerhin 17 Prozent erschleichen sich Neukundenrabatte, indem sie Verträge kündigen und auf den Namen ihres Partners neu abschließen. 15 Prozent legen abgelaufene oder gänzlich gefälschte Studentenausweise vor, um günstiger an Fahrkarten, ins Theater oder Kino zu kommen.

Mit Falschangaben zum Job

Im Zuge der Erhebung wurden 1100 Menschen befragt. Knapp zwei Drittel schwindeln eigenen Angaben nach täglich. Dabei handele es sich mehrheitlich um Notlügen: Man will sich und anderen Ärger ersparen, Kränkungen vermeiden oder verhindern, dass Angehörige sich Sorgen machen. Jeder Dritte jedoch gibt zu, aus reiner Berechnung zu lügen. Weder Ehepartner, noch Freunde und Verwandte werden verschont. Vor allem im Gespräch mit Chefs und Kollegen wird allerdings gerne mal die Unwahrheit gesagt, „wenn es der Anlass verlangt“, erklären 33 beziehungsweise 40 Prozent. Nicht selten fängt das Arbeitsverhältnis bereits mit einer Lüge an: 13 Prozent haben einen Job aufgrund falscher Angaben im Bewerbungsgespräch erhalten.

Frauen zerstören Klamotten

Auffallend dreist sind Frauen beim Kleidungskauf. 14 Prozent geben an, teure Mode für einen bestimmten Anlass gekauft und anschließend getragen zurückgebracht zu haben. Mehr als jede Zehnte schreckt sogar vor Zerstörung nicht zurück, reißt Knöpfe von Blusen ab oder schneidet Löcher in Blazer, um an der Kasse einen Rabatt herauszuhandeln.
Ebenfalls vornehmlich unter Frauen verbreitet ist die Methode, sich bei Ebay mehrere Nutzerprofile anzulegen, um die Preise für Gegenstände, die man selber verkaufen möchte, bei Auktionen künstlich in die Höhe zu treiben. 19 Prozent der Studienteilnehmerinnen haben das getan.

Brandenburger und Hessen lügen am dreistesten

Merkliche Unterschiede gibt es dabei nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern auch unter den Bundesländern: Unter den Fake-Account-Nutzern etwa sticht Brandenburg mit 36 Prozent heraus. Die Brandenburger feiern auch mit Abstand am häufigsten krank, obwohl sie sich bestens fühlen – 57 Prozent. Keiner lügt so oft in Geschäftsverhandlungen (38 Prozent). Und schließlich liegt Brandenburg vorn, wenn es darum geht, sich beim Nachbarn durchzuschnorren: Mehr als jeder Dritte loggt sich heimlich beim W-Lan des Nachbarn ein. Den Strom des Nachbarn klauen immerhin nur halb so viele wie in Hessen (dort sind es 13 Prozent).

Die Kakerlake fürs Upgrade

Überhaupt stellen die Hessen der Umfrage zufolge die absoluten Schummelkönige dar. So geben 15 Prozent zu, schonmal Ungeziefer in Hotelzimmern ausgesetzt zu haben, um in eine bessere Zimmerkategorie hochgestuft zu werden. In Brandenburg macht derart Perfides angeblich keiner. In Berlin sind es zumindest sieben Prozent. Ansonsten bewegen sich die Hauptstadtbewohner mit ihren Mogeleien lediglich im Mittelfeld. Mit einer Ausnahme: Das getürkte Geschäftsessen genießen hier satte 40 Prozent, so viele wie nirgendwo sonst. Vielleicht schmeckt es in Berlin einfach am besten.

Hohes Risiko

Viele dieser Schummeleien klingen harmlos. Etliche sind es nicht: Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Studie warnt der Stuttgarter Rechtsanwalt Henrik Angster, dass Verbraucher sich des versuchten Betruges schuldig machen können. Wer Insekten aussetze, riskiere zudem eine Klage wegen Rufschädigung. Billiger kommt es, das Upgrade selber zu bezahlen.

43 Kommentare

Neuester Kommentar