Wirtschaft : Land der Dichter und Bänker (Glosse)

Wenn das offene Wort unter uns Millionären mal gestattet ist: Es ist ja schön, dass sich Leistung wieder lohnt, aber eine Schande, dass es niemand sieht. Geldspeicher gelten heutzutage nicht mehr als sozialverträglich; wenn wir laut unser Depot loben, denken alle an die Stadtreinigung, und die neue S-Klasse kann man ja beim besten Willen nicht überall mitschleppen. Die Platin-Kreditkarte, na schön. Aber wer bemerkt die überhaupt? Also droht uns das Versinken im sozialen Mittelmaß, wenn nicht endlich eine Art Zunftzeichen gefunden wird, was Auffälliges für den Briefkopf, ein Symbol, das beim Shoppen was hermacht. Schön, dass die Bankenfusionen endlich kreatives Potential in dieser Richtung freisetzen. Wenn jetzt die Dresdner Bank für ihre Kunden die 200 000-Mark-Vermögensgrenze einführt, dann gibt es endlich was zum Vorzeigen: Kunde der Dresdner Bank, beratungsintensiv und erfolgsgewohnt! Wir sind die mit der Kohle auf dem Konto und erkennen an ihren Scheckkarten auch die, die nicht dazu gehören: Die Tarifgehaltsempfänger mit ihren Online-Banken und die Nicht-mal-Gehaltsempfänger, die die Alu in bar von ihren Pfui-Bäh-Instituten abholen. Wäre doch gelacht, wenn aus Deutschland nicht endlich was Richtiges würde: Das Land der Dichter und Bänker.

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