Wirtschaft : Land droht ein Risiko von 1,4 Milliarden Euro

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Das Land wird die Risiken aus alten Immobilien-Geschäften der Bankgesellschaft (BGB) übernehmen. Dies wird vermutlich ein tiefes Loch in die Landeskasse reißen. Denn das Risiko-Potenzial beträgt rechnerisch rund 13 Milliarden Euro. So hoch ist der Wert aller Immobilien, für die die Bank Anlegern Garantien gab. Verlustquellen zudem: ungenutzte Grundstücke, nicht sanierte Immobilien, defizitäre Projekte. Gesamtwert: über drei Milliarden Euro. Verluste aus operativen Geschäften von IBAG und IBG muss die Bank selber decken. Die IBG betreibt die Auto-Rennstrecke Euro Speedway ("Lausitzring") sowie Hotels. Land und Bank drohen im laufenden Jahr Verluste von zwei Milliarden Euro. Vorsorglich kündigte Finanzsenatorin Christiane Krajewski (SPD) auch für die kommenden Jahre Verluste aus Immobilien-Altlasten an.

Der Bankkonzern nannte bereits zum dritten Quartal "Immobiliendienstleistungen" als wichtigste Verlustquelle: 240 Millionen Euro. Die Verluste stammten aus dem operativen Geschäft (170 Millionen Euro) und aus Abfindungen (70 Millionen Euro) während der "Kündigungswelle". Insider gehen davon aus, dass sich der operative Verlust bis Jahresende um weitere 30 Millionen Euro erhöht. Die Ursache: Die IBAG hat wegen der Affäre das Vertrauen von Anlegern verloren; diese kaufen nur noch wenig Anteile von IBAG-Fonds.

Zu diesen von der Bank abzudeckenden operativen Verlusten kommen 2001 Wertberichtigungen hinzu, für die das Land aufkommt. Denn Wirtschaftsprüfer werden den Wert von IBAG und deren brach liegenden Grundstücke und Immobilien nach unten korrigieren. Diese "Restanten" haben einen Buchwert von 2,75 Milliarden Euro. In 2001 kamen neue Restanten mit Buchwerten von 600 Millionen Euro hinzu. Die Immobilien fielen an die IBAG zurück, weil diese den unverkäuflichen Fonds "Universal 1" vom Markt zurücknehmen musste. Daraus ergibt sich ein Buchwert der "Restanten" von insgesamt 3,35 Milliarden Euro. Davon wird die Bank Ende 2001 rund 370 Millionen Euro abschreiben, sagen Insider.

Weiterer Abschreibungskandidat: Die IBAG selbst. Sie hat einen Buchwert von 492 Millionen Euro. Wunschdenken bei wiederholten Millionen-Verlusten, sagen Insider. Finanzsenatorin Krajewski räumte ein, kein Investor wolle die risikoreiche Firma übernehmen. Konsequenz: Kritische Prüfer müssten die unverkäufliche IBAG mit Null Euro bewerten, großzügigere die Hälfte des Buchwertes abschreiben. Die Bank müsste also mindestens 250 Millionen Euro abschreiben; damit summieren sich die vom Land zu deckenden Abschreibungen auf 620 Millionen Euro.

Zusätzliche Verluste von rund 200 Millionen Euro könnte die Banktocher IBG verursachen. Diese verwaltet die Rennstrecke Lausitzring sowie eine wirtschaftlich riskante Hotel-Kette. Weiteren Kapitalbedarf werden Risiken aus den vielen Garantien für Fonds im Wert von rund 13 Milliarden Euro verursachen. Zwar legte die Bank hierfür einen großen Teil der diesjährigen Kapitalspritze des Landes (zwei Milliarden Euro) zurück. Doch rund 800 Millionen Euro sind Insidern zufolge schon wieder verbraucht. Denn ein Teil der Fonds-Immobilien sind unvermietet, die IBAG muss Anlegern dennoch Erträge ausschütten, weil sie diese garantierte. Das Land muss die verbrauchten Rücklagen auffüllen.

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