Landesbank Berlin : Evers: "Die Risiken haben zugenommen"

Johannes Evers, Chef der Landesbank Berlin, warnt auf der Hauptversammlung vor der Schuldenkrise.

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Der Vorstandsvorsitzende der Landesbank Berlin (LBB) Johannes Evers will die überregionalen Aktivitäten im Bereich des Immobilien- und Kapitalmarktgeschäftes verstärken.
Der Vorstandsvorsitzende der Landesbank Berlin (LBB) Johannes Evers will die überregionalen Aktivitäten im Bereich des Immobilien-...Foto: dpa/picture alliance

Berlin - Richtig gut schien die Laune von Johannes Evers nicht. Zwar konnte der Chef der Landesbank Berlin seinen Aktionären auf der Hauptversammlung am Dienstag von einem ordentlichen Gewinn und einer entsprechenden Dividende für das letzte Jahr berichten. Ob sich die positive Entwicklung auch in diesem Jahr fortsetzt, dazu wollte er jedoch noch keine Prognose wagen.

Er gehöre nicht zu den Optimisten, die glaubten, alle Herausforderungen seien bewältigt und die Weltwirtschaft befinde sich in einem robusten und nachhaltigen Aufwärtstrend, sagte Evers. „Im Gegenteil: Die Risiken haben in den vergangenen Wochen eher zu- als abgenommen.“ Die Unsicherheit an den Märkten angesichts der europäischen Schuldenkrise würde sich in diesem Quartal bereits auf das Ergebnis der Landesbank auswirken.

Bisher ist die LBB gut durch die Krise gekommen. Nach Steuern erwirtschaftete der Konzern 2009 einen Gewinn von 272 Millionen Euro. Im Jahr davor waren es nur 44 Millionen gewesen. Von dem Gewinn schüttet die LBB 140 Millionen Euro an ihre Aktionäre aus. Das beschloss die Hauptversammlung. Weitere 100 Millionen Euro aus dem Gewinn legt das Institut zurück. Denn infolge der Finanzkrise werden die Banken ihre Geschäfte bald mit mehr Eigenkapital unterlegen müssen.

Wenn Johannes Evers zu seinen Aktionären spricht, bräuchte er sich eigentlich nur an den Mann zu wenden, der mit ihm zusammen auf dem Podium sitzt: Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). Den deutschen Sparkassen gehören 98,66 Prozent an der Berliner Landesbank, nur noch 1,34 Prozent befinden sich im Streubesitz. Von den verbliebenen Einzelaktionären kamen trotzdem rund 400 zur Hauptversammlung ins ICC. Für sie ergriff Malte Diesselhorst von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz das Wort. Er fände es bedenklich, dass der größte Teil des Gewinns der LBB aus dem Kapitalmarktgeschäft stamme, das stark von den Schwankungen auf den Finanzmärkten abhänge.

Vorstandschef Evers sah das naturgemäß anders. Das Geschäftsmodell der LBB, beruhend auf den vier Säulen Privatkunden, Firmenkunden, Immobilienfinanzierung und Kapitalmarktgeschäft, besitze eine gute Risikostreuung und sei wirtschaftlich nachhaltig tragfähig.

Im Privatkundengeschäft kündigte der Vorstandschef eine Neuerung an. Für „besonders beratungsintensive Produkte“ werde man spezielle Finanzcenter einrichten. Die ersten von insgesamt 68 gingen im Juli an den Start. In den 146 Privatkundencentern würden weiterhin Produkte und Dienstleistungen „des täglichen Bedarfs“ angeboten.

Er wisse, sagte Evers, „dass das Wachstum in unserer Kernregion begrenzt ist“. Die LBB wolle darum ihre überregionalen Aktivitäten im Bereich des Immobilien- und Kapitalmarktgeschäftes verstärken. Zudem wolle die Landesbank ihre Rolle als Dienstleister für die Sparkassen ausbauen. Schon 21 Sparkassen in ganz Deutschland nutzten die neue Plattform der LBB für das Konsumentenkreditgeschäft. Die werden sich gefreut haben. Die Gebühren, die sie der LBB dafür zahlen, erhalten sie jetzt schließlich als Dividende zurück.

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