Wirtschaft : Landesbank Berlin verärgert Kleinaktionäre

Letzte Hauptversammlung am Mittwoch soll Anteilseigner herausdrängen / Freie Bahn für Sparkassen.

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Ausgang offen.
Ausgang offen.

Berlin - Noch ist es auch ihre Bank. Selbst wenn sie ihnen nur zu 1,32 Prozent gehört. Die Kleinaktionäre der Landesbank Berlin (LBB) wollen mitbestimmen – wollen und müssen gefragt werden, wenn bei ihrer Bank wichtige, strategische Entscheidungen anstehen. Das ist umständlich und kostet Geld. Deshalb sollen die Kleinaktionäre jetzt ihre LBB-Anteile  an die Sparkassen-Finanzgruppe abtreten, die seit 2007 die Mehrheit an der Bank hält. Squeeze-Out nennt sich dieses Herausdrängen der Kleinaktionäre in der Fachsprache, beschlossen werden soll es an diesem  Mittwoch auf einer außerordentliche Hauptversammlung in Berlin.

„Wenn alles glattgeht, wird das die letzte Hauptversammlung der LBB“, sagt Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Sobald die Bank zu 100 Prozent den Sparkassen gehört, soll sie von der Börse genommen werden. Die Kleinaktionäre sind davon wenig begeistert. „Ich finde es unmöglich, dass jetzt zu solchen Zwangsmaßnahmen gegriffen wird“, sagt einer von ihnen, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Der Rentner aus Berlin hat seine ersten LBB-Aktien Mitte der 90er Jahre gekauft, als das Institut noch Bankgesellschaft hieß. Er hält noch 200 Anteilsscheine – mit der jetzt angebotenen Abfindung von 4,01 Euro pro Aktie macht er nach eigenen Angaben einen Verlust von 1600 Euro. Wie viele Kleinaktionäre hatte er gehofft, seine Anteile irgendwann mit Gewinn verkaufen können. „Wir wollten die Verluste einfach aussitzen.“

Wie er dürften sich jetzt viele der Kleinaktionäre ärgern, dass sie ihre Anteile nicht schon 2007 verkauft haben. Damals hatten die Sparkassen dem Land Berlin für 5,5 Milliarden Euro die Mehrheit an der Bank abgekauft und auch den Kleinaktionären ein erstes Angebot gemacht: 6,81 Euro pro Aktie. Doch 2007, kurz vor Ausbruch der Finanzkrise, war vielen die Abfindung zu gering. Auch dem Berliner Anwalt Hans-Joachim Legermann. „Wir sind davon ausgegangen, dass die Bank weiter an der Börse notiert bleiben soll“, sagt er. Noch immer hält er 10 500 Aktien. Ein Finanzberater der LBB habe ihm damals sogar ausdrücklich dazu geraten, die Anteilsscheine zu behalten – mit der Begründung, der Kurs würde sicherlich noch weiter steigen.

Anlegerschützer bemängeln vor allem den Zeitpunkt des Squeeze-Outs. „Die Sparkassen nutzen eine Schwächephase der Bank aus“, sagt Kunert von der SdK. Denn die Höhe der Abfindung für die Kleinaktionäre richtet sich maßgeblich danach, wie es der Bank aktuell geht. Und die LBB ist durch die Schuldenkrise finanziell angeschlagen. Zwar hat sie Anfang des Jahres ihren gesamten Bestand an griechischen Staatsanleihen verkauft. Dennoch hat dieses Engagement das Geschäftsergebnis für das abgelaufene Jahr stark belastet. Vorstandschef Johannes Evers meldete Anfang März einen Verlust von 79 Millionen Euro nach Steuern. Auch mussten die Sparkassen als Eigentümer schon zwei Mal den Wert der LBB in ihren Büchern korrigieren, zuletzt im Dezember um 850 Millionen Euro.

Vielleicht ist auch das ein Grund dafür, dass die Sparkassen jetzt mehr Einfluss auf die Bank nehmen wollen. So begründete der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) das Herausdrängen der Kleinaktionäre damit, dass so „die Umsetzung von Strukturmaßnahmen bei der Landesbank“ einfacher würde. Auch wenn die Kleinaktionäre kaum eine Entscheidung des Hauptaktionärs kippen können, können sie dennoch Ärger machen. „Fast jede Entscheidung, die auf einer Hauptversammlung abgesegnet werden muss, wird von Kleinaktionären mit Argusaugen betrachtet“, sagt Dieter Müller-Tronnier von der Unternehmensberatung Ernst & Young. Im Zweifel könnten sie die Beschlüsse anfechten. „Und solche Klagen ziehen sich oft über Jahre hin.“

Offen bleibt die Frage, welche „Strukturmaßnahmen“ die Sparkassen bei der LBB genau planen. Eine Möglichkeit wäre eine engere Verzahnung zwischen LBB und Dekabank. „Das ist ein berechtigtes Gedankenspiel“, meint Bankenexperte Müller-Tronnier. „Die Deka und die LBB sind zwei relativ große Banken, die aus Eigentümersicht und unter Kostenaspekten nicht die gleichen Geschäftsfelder betreiben müssen.“ Vorstellbar sei etwa, dass das Fondsgeschäft der LBB von der Dekabank übernommen werde und die LBB im Gegenzug das Immobiliengeschäft der Dekabank zugeschlagen bekäme. Carla Neuhaus

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