Wirtschaft : Landesbank Berlin will einkaufen

Institut schließt 2010 mit 265 Millionen Euro Gewinn ab und prüft Kauf der WestLB-Tochter Readybank

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Berlin - Bei der Zerschlagung der Düsseldorfer WestLB will die Landesbank Berlin offenbar einen Teil übernehmen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Finanzkreisen in Düsseldorf meldet, stehen die Chancen gut, dass die Berliner den Zuschlag für große Teile der WestLB-Tochter Readybank bekommen. „Wir reden mit der WestLB“, bestätigte LBB-Chef Johannes Evers am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz in Berlin. Man schaue sich an, ob Teile der Readybank zur LBB passten.

Ganz abwegig ist die Idee nicht, nicht nur, weil die Readybank, die mehr als 200 Mitarbeiter beschäftigt, ihren Hauptsitz in der Berliner Friedrichstraße hat. Auch thematisch gibt es Überschneidungen. Die Readybank ist auf Verbraucherkredite spezialisiert und arbeitet mit vielen Sparkassen in Nordrhein-Westfalen zusammen. Damit ist sie ein Konkurrent der LBB, die Privatkredite für bislang 25 Sparkassen bundesweit abwickelt und dieses Geschäft weiter ausbauen will: Gemeinsam mit der Deutschen Leasing AG bündeln die Berliner ihre Aktivitäten in der Auto- und Konsumentenfinanzierung gerade in der „S-Kreditpartner GmbH“. Das Projekt soll im Juni an den Start gehen.

Die West LB, die in der Finanzkrise nur mit Staatshilfe überlebt hat, muss nach dem Willen der EU-Kommission verkauft oder aufgespalten werden. Als wahrscheinlichste Lösung gilt die Aufspaltung. Die Sparkassen wollen das Kerngeschäft als Verbundbank weiterführen.

Die LBB hat diesen Umbau längst hinter sich. Das Institut gehört schon seit 2007 nicht mehr dem Land Berlin, sondern den deutschen Sparkassen. Seitdem konzentriert sich die LBB, die zu einem großen Teil aus der Berliner Sparkasse besteht, auf das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden. Weitere Standbeine sind die Immobilienfinanzierung und das Kapitalmarktgeschäft. Zudem baut die LBB ihre Rolle als Dienstleister für die Sparkassen in ganz Deutschland immer weiter aus. Damit könnten die Berliner beim weiteren Umbau des Landesbankensektors eine Rolle spielen. Wie aus Finanzkreisen verlautete, soll die neue Düsseldorfer Verbundbank später an ein anderes Institut angedockt werden. „Die NRW-Sparkassen brauchen starke Partner, dafür stehen wir bereit“, sagte Evers. An Spekulationen beteilige er sich nicht.

Das Jahr 2010 hat die LBB mit Gewinn abgeschlossen. Mit einem Vorsteuerergebnis von 317 Millionen Euro erreichte die Bank beinahe den Wert des Vorjahres (329 Millionen). Unter dem Strich blieb das Ergebnis mit 265 Millionen Euro auf dem Niveau von 2009. Der Vorstand will den Eigentümern erneut eine Dividende von 140 Millionen Euro zahlen.

Das war nicht selbstverständlich. Im zweiten Quartal des Jahres hatte die LBB einen Gewinneinbruch gemeldet. Die Bank war von der Schuldenkrise in Südeuropa überrascht worden. Hinzugewonnen hat die Bank vor allem im Privatkundengeschäft. Außerdem konnte sie ihre Risikovorsorge verringern, weil sich die Berliner Wirtschaft weiter erholt hat. Ihre Geldmarktaktivitäten fuhr die LBB weiter zurück – um die Bilanzsumme zu verkleinern, wie Evers betonte. Von deren Größe hängt nämlich ab, wie hoch die neue Bankenabgabe ausfällt. Für das Jahr 2010 müsse die LBB rund 30 Millionen Euro zahlen.

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