Wirtschaft : Landesbank will sich öffnen und denkt über private Gesellschafter nach

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Die Norddeutsche Landesbank wird mit dem laufenden Kapitalerhöhungsverfahren vermutlich auch die Privatisierungsdebatte für den öffentlich-rechtlichen Bankensektor anheizen. Als erste Landesbank wird sich die Nord/LB nach Überlegungen ihrer Gewährsträger bald möglicherweise auch privaten stillen Gesellschaftern öffnen. Dies sagte Peter Martens, Sprecher des niedersächsischen Finanzministeriums, dem "Handelsblatt".

Um Raum für mögliche Akquisitionen zu schaffen, wird die Nord/LB nach einem bereits im Mai gefassten Gremienbeschluss ihre stillen Einlagen um eine Milliarde auf 2,14 Milliarden Mark aufstocken. Die sechs Gewährsträger der mit 297 Milliarden Mark Konzernbilanzsumme und 6,5 Milliarden Mark Eigenkapital operierenden viertgrößten Landesbank erhielten das Angebot, sich entsprechend ihren Beteiligungsquoten an dieser Einlage zu beteiligen.

Beteiligt sind an der Nord/LB das Land Niedersachsen mit 40 Prozent, die Länder Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern mit je 10 Prozent, der Niedersächsische Sparkassenverband mit 26,7 Prozent und die beiden ostdeutschen Sparkassenverbände mit je 6,7 Prozent. Allein das Land Niedersachsen hat nach Angaben der Bank bisher positiv über das Nord/LB-Angebot entschieden. Als unsichere Kandidaten gelten dem Vernehmen nach besonders die beiden ostdeutschen Länder.

Schon früher haben auch andere Landesbanken - besonders die führende WestLB - über die Aufnahme privater stiller Gesellschafter nachgedacht. Stille Gesellschafter haften mit ihrer strikt erfolgsorientierten Einlage schärfer als das in der Kreditwirtschaft weithin genutzte festverzinsliche Nachrangkapital. Solche weitgehenden Privatbeteiligungen sind bisher nicht mangels interessierter Investoren, sondern wegen ihrer Wirkungen auf die Privatisierungsdiskussion stets wieder fallen gelassen worden.

Im niedersächsischen Finanzministerium werden mögliche private Beteiligte an der Nord/LB auch als Schutzschild gegen neue kritische Prüfungen der EU-Kommission nach dem Vorbild des WestLB-Falls betrachtet. "Privat Beteiligten könnte wirklich nichts anderes als Gewinninteresse unterstellt werden", erklärte Martens.

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