Landesbanken : Finanzinvestor Flowers attackiert Länder

Der Finanzinvestor J.C. Flowers hat Management und Miteigentümern der HSH Nordbank die Hauptschuld für die desaströse Lage der Landesbank gegeben. Seine Hinweise auf Probleme habe die Politik stets ignoriert.

Berlin/Hamburg "Wir haben bereits frühzeitig auf Probleme hingewiesen und hier immer wieder eine Kursänderung angemahnt", sagte Flowers-Europachef Ravi Sinha dem „Handelsblatt“. „Gehört wurden wir jedoch nicht.“ Sicherlich habe man auch selbst Fehler gemacht und die Krise in ihrer Dimension nicht vorhergesehen. Aber schon im Sommer 2007 habe der US-Finanzinvestor auf eine Reduzierung des Kreditersatzgeschäfts gedrängt und mehrfach gefordert, das stark wachsende Neugeschäft zurückzuschrauben.

Die Äußerungen Sinhas kommen für Hamburg und Schleswig-Holstein, die nach einer drei Milliarden Euro schweren Kapitalspritze über 80 Prozent der Bankanteile halten, zur Unzeit. Denn die Milliardenverluste der Bank haben in beiden Ländern ein parlamentarisches Nachspiel. Am vergangenen Donnerstag hat die Hamburger Bürgerschaft einen Untersuchungsausschuss eingesetzt, Schleswig-Holstein wird im Laufe dieser Woche folgen. Die Ausschüsse sollen untersuchen, welche Verantwortung der Vorstand, aber auch die Ländervertreter im Aufsichtsrat tragen.

Besonders unter Beschuss stehen dabei Schleswig-Holsteins Finanzminister Rainer Wiegard (CDU) und Hamburgs Finanzsenator Michael Freytag (CDU). In der Vergangenheit war sogar spekuliert worden, ein Kollaps der HSH könnte die Länder mit in den Abgrund reißen.

Die FDP-Opposition im Kieler Landtag sieht durch Sinhas Äußerungen ihre „schlimmsten Befürchtungen“ bestätigt. „Es wird insbesondere deutlich, dass der Aufsichtsrat seinen Kontrollpflichten nicht nachgekommen ist und dass das Parlament in Schleswig-Holstein nicht ordnungsgemäß informiert wurde“, sagte Fraktionschef Wolfgang Kubicki dem „Handelsblatt“. Hätte der Landtag früher diese Informationen gehabt, hätte er der Kapitalerhöhung im Mai 2008 nicht zugestimmt.

Flowers war bei der HSH vor drei Jahren mit gut 25 Prozent eingestiegen und hatte im Dezember 2007 sowie im Juli 2008 weiteres Geld nachgeschossen. In Finanzkreisen wird sein Engagement auf über zwei Milliarden Euro taxiert – der Großteil davon dürfte verbrannt sein. Flowers steht zusätzlich unter Druck, weil ihm im Zuge der Verstaatlichung der ebenfalls schwer angeschlagenen Hypo Real Estate der Verlust von rund einer Milliarde Euro droht. (fmd/hgn/HB)

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