Landesbanken : WestLB wird zerlegt

Die EU-Kommission verordnet der angeschlagenen WestLB einen radikaleren Umbau als erwartet: Dass die Landesbank ihre Bilanzsumme halbieren muss, ist nur ein Teil der Bedingungen, die Brüssel für milliardenschwere Hilfen stellt.

Frankfurt am Main/BrüsselDie Düsseldorfer WestLB muss ihre Bilanzsumme halbieren, sich auf wenige Kerngeschäftsfelder konzentrieren und bis Ende des Jahres 2011 verkauft werden. Im Gegenzug genehmigt Brüssel milliardenschwere Staatsbeihilfen, auf die die Landesbanken angewiesen ist.

Der Fall zeige, wie notwendig eine tiefgreifende Restrukturierung im Landesbanken-Sektor in Deutschland sei, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes bei der Präsentation der Auflagen am Dienstag in Brüssel. Die Entscheidung trage jetzt zur Konsolidierung des Sektors bei. „Das deutsche Landesbankensystem muss umstrukturiert werden“, forderte Kroes. Die Einigung auf das neue Geschäftsmodell sei „ein Wendepunkt in einer schon 1997 begonnenen Reise“. Seither habe die Kommission ihr „Äußerstes getan, um eine chronisch kranke Landesbank zu behandeln, die süchtig nach Staatsbeihilfe war“. WestLB-Chef Heinz Hilgert reagierte „gefasst“. „Vieles hatten wir ja schon seit dem vergangenen Sommer erwartet“, sagte er dem „Handelsblatt“. „Wir sehen jetzt gute Chancen, bei der Konsolidierung unter den Landesbanken eine Vorreiterrolle einzunehmen.“

Die WestLB stand wegen hochriskanter Investments als eine der ersten Landesbanken vor gut einem Jahr am Abgrund. Ihre Eigner, das Land Nordrhein-Westfalen und die Sparkassen, mussten mit fünf Milliarden Euro Garantien riskante Wertpapiere von 23 Milliarden Euro absichern. Seither hatte die EU-Kommission mit der Bank um ein neues Geschäftsmodell gestritten. Das Problem: Zwar sollte die WestLB durch die staatlichen Beihilfen lebensfähig werden, zugleich sollten aber Konkurrenten nicht benachteiligt werden. Neben der WestLB sind auch die BayernLB, HSH Nordbank und die Landesbank Baden-Württemberg auf Hilfen ihrer staatlichen Eigner angewiesen.

Die WestLB muss sich nach den Brüsseler Auflagen künftig auf drei Kerngeschäftsfelder konzentrieren: Zahlungsverkehr, das Mittelstandsgeschäft in Zusammenarbeit mit den Sparkassen sowie die Kreditvergabe an Firmenkunden. Innerhalb der nächsten zwei Jahre muss sie unter anderem die profitable Westdeutsche Immobilienbank, die Readybank, die Weberbank und die WestLB International SA in Luxemburg verkaufen. Zahlreiche Niederlassungen im In- und Ausland werden geschlossen. In ihrer Heimatregion Nordrhein-Westfalen bleibt außer der Zentrale in Düsseldorf kein WestLB-Standort mehr erhalten. Die Schließung der NRW-Standorte betrifft etwa 120 Mitarbeiter. International sollen nur noch die für das Kapitalmarktgeschäft wichtigen Niederlassungen wie London und New York erhalten bleiben. ebo/pk/pm (HB)

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