Wirtschaft : Landgericht untersagt die Auflösung der Weberbank Landesbank wollte Berliner Privatbank zerschlagen

Ralf Schönball

Berlin. Der langjährige Inhaber und heutige Aufsichtsrat der Weberbank, Erhard Bödecker, wirft dem Chef der Landesbank Berlin (LBB), Norbert Pawlowski, die „unmotivierte Zerschlagung eines kerngesunden Kreditinstituts“ vor, sowie die Gefährdung von 322 Arbeitsplätzen. Pawlowskis Versuch, die Gesellschaft Weberbank aufzukündigen, scheiterte jedoch am 20.Juni vor dem Landgericht Berlin. Das Gericht erließ eine einstweilige Verfügung gegen Pawlowski, die dem „Tagesspiegel am Sonntag“ vorliegt.

Die Auseinandersetzung spielt vor dem Hintergrund der Sanierungsbemühungen der angeschlagenen Bankgesellschaft Berlin (BGB), zu der die LBB gehört. Die Weberbank war zwischen 1989 und 1994 in drei Stufen durch die LBB zu 94,99 Prozent von der damaligen Inhaberfamilie Bödecker-Weber erworben worden. Die Weberbank hat seit 1995 mehr als 100 Millionen Euro an die LBB ausgeschüttet. Die Privatbank verfügt über hohe Rücklagen und erhebliche stille Reserven.

Nach einem „Spiegel“-Bericht scheitert die Mobilisierung dieses Vermögens durch einen Verkauf der Weberbank-Aktien daran, dass die Gesellschafter nicht auf ihre „enormen Privilegien“ verzichten wollen. Verhandlungen über eine Änderung der Verträge mit den Gesellschaftern scheiterten demnach an deren „weitgehenden finanziellen Erwartungen“. Da diese „eine überaus vorteilhafte Situation vorfinden (kein Risiko, geringe Kontrolle, hohe persönliche Einkommen)“, seien sie nicht „bereit, an einer Rechtsformumwandlung mitzuwirken“, zitiert der „Spiegel“ aus einer Vorlage des LBB-Aufsichtsrats.

Dieser Darstellung widerspricht der Aufsichtsrat der Weberbank: Alle drei Mitinhaber der Bank – Christian Grün, Michael Graf Strasoldo und Bödeckers Sohn Andreas – hätten Pawlowski und BGB-Vorstandschef Hans-Jörg Vetter angeboten, Verkaufsverhandlungen mit Interessenten zu führen. Dies sei von Vetter strikt abgelehnt worden. Stattdessen habe dieser die Inhaber aufgefordert, auf ihre Anteile und ihre Rechte zu verzichten. Es handele sich dabei „um ein Erpressungsmanöver, um die stillen Reserven der Bank auszuplündern“, sagt Bödecker senior. Die ausgewiesenen Eigenmittel der Weberbank betragen laut Bödecker 178 Millionen Euro. Hinzu kommen erhebliche versteuerte stille Reserven. Mit dem Geld der Weberbank „sollen Löcher in der LBB gestopft werden“.

LBB-Vorstand Pawlowski zählt zu den letzten Managern, die bereits unter Wolfgang Rupf die BGB geleitet hatten und bisher von der Kündigungswelle verschont blieben. In einem Brief von Pawlowski an die Weberbank, der dem Tagesspiegel vorliegt, heißt es: „Die LBB beabsichtigt, die Kündigung zu erwirken, sofern die Verhandlungen mit den phGs (persönlich haftende Gesellschafter und Mitinhaber; Anm. d. Red.) nicht zu einem positiven Abschluss führen.“

Diesem Druck will sich auch Bödecker junior nicht beugen. Pawlowski habe den drei Mitinhabern einen „Vertrag aufzwingen wollen“, wonach sie der sofortigen Ausschüttung der Reserven zu Gunsten der LBB und der Umwandlung der Weberbank in eine AG zustimmen sollten. Dies sei einstimmig abgelehnt worden.

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