Wirtschaft : Landwirte in Rekordlaune

Trotzdem streiken Milchbauern für höhere Preise

Berlin - Die kräftig gestiegenen Milchpreise in den Supermärkten haben in der Bauernschaft unterschiedliche Reaktionen provoziert. Während die Milchbauern am Mittwoch in Berlin für höhere Erzeugerpreise demonstrierten, bejubelte der Deutsche Bauernverband (DBV) fast zeitgleich die Rekordstimmung in der Landwirtschaft – auch bei den Milchbauern. „Die Optimisten sind weiterhin auf dem Vormarsch“, sagte DBV-Generalsekretär Helmut Born. „Die Umsätze steigen, die Investitionen ziehen an, und auch der Beschäftigungsstand steigt.“

40 Prozent der Bauern schätzen im aktuellen Konjunkturbarometer ihre wirtschaftliche Situation als gut oder sehr gut ein. Ein Jahr zuvor waren es nur 21 Prozent. Das Barometer kletterte vom Index 32 vor drei Monaten auf 38, den höchsten Wert seit 2000. Nur die Ferkelzüchter kämen wegen gestiegener Ausgaben für Futter noch nicht auf ihre Kosten.

Bei den Milchbauern habe es im Frühjahr dagegen eine Trendwende gegeben, sagte Born. Das haben am anderen Ende der Kette auch die Verbraucher gemerkt, die für Milch, Butter und Quark deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen. Allein im September stieg der Milchpreis um 2,7 Prozent. Mit einer Entspannung sei auch in den kommenden Monaten nicht zu rechnen, sagte Born. Wie zum Beweis kündigte der französische Joghurthersteller Danone gestern an, die Preise für Milchprodukte im Herbst um fünf bis sechs Prozent anzuheben – wegen gestiegener Rohstoffkosten.

Die Bauern können sich darüber freuen. Im August zahlten ihnen die Molkereien durchschnittlich 36,7 Cent für das Kilo Milch. „Wir erwarten, dass der Durchschnittspreis zum Jahreswechsel auf 40 Cent je Kilo steigt“, sagte Born.

Für die Landwirte, die gestern am Brandenburger Tor streikten, wäre das das Mindeste. Um ihre Kosten zu decken, müssten sie 40 Cent oder mehr pro Liter Milch bekommen, forderte Romuald Schaber, Chef des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter. Mit dem Bauernverband war das offenbar nicht abgesprochen. Born: „Was da gegenwärtig abläuft, können wir uns nicht erklären.“ pet

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben