Wirtschaft : Landwirtschaft: Auch Biobauern streben an die Börse

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Die Öko-Wende der deutschen Landwirtschaft könnte schneller kommen als erwartet. Denn auch die Biobauern haben entdeckt, dass sie ihre neue Popularität finanziell nutzen können: Statt darauf zu warten, dass die versprochenen Fördermittel aus Berlin fließen, machen sie nun selbst mobil - und setzen auf den Kapitalmarkt. So bietet etwa die Upländer Bauern-Molkerei GmbH, ein Biobetrieb aus dem hessischen Willingen-Usseln, ein neues Modell an: die Biobauern Beteiligungs AG (BBB). Mit einer Mark können engagierte Verbraucher hier Namensaktien erwerben, zunächst auf privater Basis. Doch langfristig, sagt Upland-Vorsitzender Josef Jacobi, "wollen wir an die Börse".

Das Geld soll in den Aufbau landwirtschaftlicher Öko-Betriebe und entsprechender Verarbeitungs- und Vermarktungsunternehmen fließen. Denn nicht nur die geringe Verbreitung, sondern vor allem die fehlenden Verarbeitungsstrukturen machten die Öko-Landwirtschaft heute noch so teuer, sagt Jacobi. "Wenn auf jeden Liter Milch Transportkosten von 30 Pfennig kommen, dann lohnt es sich nicht."

Dass das Öko-Engagement auch profitabel sein kann, hat die Upländer Bauern Molkerei bewiesen. Gegründet wurde der Betrieb vor vier Jahren von einer kleinen Gruppe Biobauern, die mit Unterstützung des BUND eine stillgelegte Molkerei der Tuffi-Gruppe übernahm. 500 000 Liter wurden anfangs verarbeitet, heute sind es 15 Millionen pro Jahr. Der Betrieb erzielt inzwischen Gewinn und liefert Milch an Großhändler in Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Berlin. Viel teurer sind die Upländer nicht: "Unsere Milch kostet nur 10 Pfennig mehr als konventionelle", sagt Jacobi.

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