Landwirtschaft : Bauern: Nahrung muss teurer werden

Der Deutsche Bauernverband verlangt höhere Preise für Milch. Schuld an der Lage der Bauern seien vor allem die niedrigen Milchpreise von derzeit unter 20 Cent pro Liter.

Berlin - Einen Tag vor dem „Runden Tisch“ der Lebensmittelwirtschaft hat der Deutsche Bauernverband (DBV) Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) vor „Scheinergebnissen“ gewarnt und Zusagen gefordert. „Wir möchten, dass morgen herauskommt: Lebensmittel sind mehr wert“, sagte DBV-Präsident Gerd Sonnleitner am Montag bei einem Aktionstag seines Verbandes in Berlin. In erster Linie müsse die Lage der Milchbauern verbessert werden. Konkret forderte Sonnleitner, es solle für in Bedrängnis geratene Betriebe möglich sein, Darlehen von Bund und Ländern zu bekommen und Steuern und Abgaben zu stunden. Außerdem bekräftigte er, dass es nötig sei, die Auszahlung der EU-Betriebsprämie von Dezember auf Juli vorzuziehen.

Zur Marktbelebung forderte der DBV-Präsident ein „Reinheitsgebot für Milch“ und sprach sich auch vor dem Hintergrund der Diskussion über Analog-Käse (das ist ein Käseimitat ohne Milch) für Kontrollen aus, „ob auch Milch drin ist, wo Milch draufsteht“. Schuld an der Lage der Bauern seien vor allem die niedrigen Milchpreise von derzeit unter 20 Cent pro Liter. „Zu diesem Preis kann auch der tüchtigste Betrieb nicht überleben“, befand Sonnleitner. Die Situation auf dem Markt sei „katastrophal“, weil viele Exportmärkte eingebrochen seien.

Die Stimmung unter den Landwirten insgesamt ist laut DBV so schlecht wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr. Das Konjunkturbarometer Agrar sei im März auf 4,1 Punkte abgestürzt, sagte Sonnleitner. Im Dezember 2008 habe der Index, für den rund 1000 Landwirte befragt worden seien, noch bei 12 Punkten gelegen. So schlecht beurteilten die Bauern ihre Lage zuletzt im Herbst 2005. Neben den Milchbauern beurteilten auch Ackerbauern und Schweinehalter ihre Lage nach DBV-Angaben als zunehmend schlecht.

Der DBV-Präsident erhofft sich von dem Treffen an diesem Dienstag vor allem eine Entlastung der landwirtschaftlichen Betriebe. Die Landwirtschaft brauche keine „Milliardenprogramme wie die Banker“, aber „gerechte“ Preise für ihre Produkte. Sonnleitner bemängelte, dass der Lebensmitteleinzelhandel die Preise in der Krise immer weiter drücke. dpa

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