Landwirtschaft : Bauern sind mit ihrer Ernte zufrieden

Die milde Witterung sorgt für hohe Erträge bei Spargel und Erdbeeren. Die Landwirte blicken optimistisch in die Zukunft.

Yasmin El-Sharif,Caroline von La Rosée

BerlinAuf so einen milden Winter wie in diesem Jahr hat Jörg Buschmann lange gewartet. Der Landwirt baut seit 1991 im brandenburgischen Beelitz Spargel an, aber nur selten hatte er eine so gute Ernte wie in diesem Jahr. „Wir hatten das Vergnügen, dass wir früh mit dem Stechen anfangen konnten“, sagt Buschmann. „Schon am 29. März haben wir die erste Spargelstange ernten können, sonst ist das immer erst Mitte oder Ende April der Fall.“ Zudem habe der lange und ungewöhnlich warme Frühling dazu beigetragen, dass sich die Erntezeit um 14 Tage verlängert hat, erzählt Buschmann. So konnte der Landwirt schließlich mehr als 2000 Tonnen Spargel stechen. „Das war schon außerordentlich gut und das absolute Gegenteil zu 2006, wo wir mit der langen Kälte zu kämpfen hatten.“

Neben Buschmann haben auch andere Bauern von dem guten Wetter im ersten Halbjahr profitiert. So lag der Ernteertrag bundesweit 16 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen sechs Jahre, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Montag mitteilte. Pro Hektar wurden durchschnittlich 5000 Kilogramm Spargel geerntet. Spitzenreiter waren die Bundesländer Thüringen, Hessen und Niedersachsen, wo sogar mehr als 5500 Kilogramm pro Hektar eingefahren wurden. Aber auch in Brandenburg, das nach Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen drittgrößtes Spargelanbaugebiet ist, liefen die Ernten überdurchschnittlich gut. Hier seien pro Hektar Anbaufläche statistisch gesehen rund 48 Dezitonnen Spargel gestochen worden. Im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2001 bis 2006 gab es somit ganze 13 Prozent mehr. Der meiste Spargel in Brandenburg wird rund um den Ort Beelitz angebaut – fast 90 Prozent kommen von dort.

Landwirt Buschmann betont, dass er einen Teil seines hohen Ernteertrags seinen guten Helfern zu verdanken hätte. „Meine Helfer waren in diesem Jahr dank der Fülle, die es zu pflücken gab, besonders motiviert“, sagt er. Denn neben einem monatlichen Grundlohn von 750 Euro bekämen sie auch noch Prämien für die Menge, die sie ernten. Und anders als zeitweise befürchtet, hatte Buschmann keine Probleme ausreichend Helfer anzuwerben. Laut einer Gesetzesänderung von 2006 dürfen Landwirte maximal 80 Prozent ihrer Arbeitskräfte aus dem Ausland rekrutieren. Das sorgte bei vielen Landwirten für Verstimmung, weil nach ihren Angaben nicht genügend Deutsche bereit sind, die harte Erntearbeit für vergleichsweise wenig Geld zu erledigen. „Die Bauern haben sich am Ende aber arrangiert und flexibel reagiert“, sagt Agnes Scharl, Sprecherin beim Deutschen Bauernverband.

So – und auch dank des guten Wetters – konnten auch die Erdbeerbauern ihre Ernten in diesem Jahr steigern. Auf Basis der Schätzungen des vergangenen Monats seien rund 116 Dezitonnen je Hektar zu erwarten, teilten die Statistiker aus Wiesbaden mit. Damit sei eine Steigerung von etwa acht Prozent gegenüber dem sechsjährigen Mittel von 2001 bis 2006 erzielt. Nur in den Jahren 1999 und im vergangenen Jahr wurde demnach ähnlich viel gepflückt. „Die Erdbeersträucher waren wirklich gut bestückt“, sagt auch Buschmann, „nur die Qualität war durch den langen Regen etwas schlechter als sonst“.

Bestärkt durch die aktuelle Situation beurteilen die deutschen Landwirte ihre wirtschaftliche Lage für die kommenden drei Jahre so optimistisch wie seit vier Jahren nicht mehr. Dies zeigt das Konjunkturbarometer, das am Montag vom Deutschen Bauernverband veröffentlicht wurde. Der Index, für den rund 1000 Bauern nach ihrer aktuellen und künftigen Einschätzung der Wirtschaftslage befragt werden, erreichte 32,2 Punkte im Vergleich zu 27,3 Punkten im Vorquartal. „Die insgesamt positive Stimmung in Deutschland kommt bei den Betrieben an“, sagte Agnes Scharl vom Deutschen Bauernverband. „Sie sind endlich wieder bereit, zu investieren.“ Vor allem die Ackerbau-Betriebe seien zufrieden. 32 Prozent bezeichneten ihre Lage demnach als sehr gut oder gut, weitere 52 Prozent als befriedigend.

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