Landwirtschaft : Boden im Osten teurer

Die Preise für Äcker und Wiesen in den neuen Bundesländern steigen stetig. Steigende Lebensmittelpreise, die Konkurrenz der nachwachsenden Rohstoffe um Fläche und die damit einhergehende bessere finanzielle Lage der Landwirte sind die Gründe.

BerlinDie Preise für landwirtschaftlich nutzbare Flächen in den neuen Bundesländern steigen kräftig. Darauf wies am Donnerstag der Sprecher der Geschäftsführung der BVVG Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG), Wolfgang Horstmann, bei der Vorlage der Bilanz vor Journalisten in Berlin hin. Seinen Worten zufolge verkaufte die BVVG im vergangenen Jahr landwirtschaftliche Flächen zum Verkehrswert im Durchschnitt für 5428 Euro je Hektar (10 000 Quadratmeter) – das sind 22 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Allerdings lag der Preis immer noch bei rund einem Drittel des Preises in den alten Bundesländern. Dort wurden im Durchschnitt 15 900 Euro je Hektar gezahlt. Steigende Lebensmittelpreise, die Konkurrenz der nachwachsenden Rohstoffe um Fläche und die damit einhergehende bessere finanzielle Lage der Landwirte nannte Horstmann als Gründe für die Preissteigerungen. Auch 2008 zogen die Preise bereits um rund zehn Prozent an.

Die BVVG ist eine bundeseigene Gesellschaft und für die Privatisierung ehemals volkseigener Äcker, Wiesen und Wälder zuständig. Sie hat in den neuen Bundesländern derzeit noch mehr als 500 000 Hektar landwirtschaftliche sowie circa 87 000 Hektar forstwirtschaftliche Flächen zu privatisieren. In ihrer 16-jährigen Tätigkeit hat sie mehr als eine Million Hektar Flächen privatisiert, was in etwa der Hälfte der Fläche des Bundeslandes Sachsen-Anhalt entspricht.

Horstmann widersprach zugleich Vermutungen, der Bund könnte sich mit den Privatisierungen „eine goldene Nase“ verdienen. Zwar hat die BVVG 2007 den Rekordbetrag von 3,5 Milliarden Euro abgeführt. Gegenwärtig betrage das Minus des Bundes aber noch gut 2,5 Milliarden Euro. In den kommenden zehn Jahren habe der Bund allenfalls die Chance, auf eine „schwarze Null“ zu kommen.

Höchste Priorität wird auch im laufenden Jahr der Verkauf von Acker- und Grünland nach den Bedingungen des Entschädigungs- und Ausgleichsgesetzes (EALG) haben, sagte Horstmann. Bei sogenannten EALG-Verkäufen werden seit 1996 Äcker und Grünland zu Preisen von etwa 35 Prozent unter dem Verkehrswert an die bisherigen Pächter abgegeben. Da die EU eine Verordnung erlassen hat, nachdem der Verkauf vom 1. Januar 2010 an nur noch mit maximal zehn Prozent des Preises subventioniert werden darf. Bisher wurden rund 319 000 Hektar Acker- und Grünland nach EALG begünstigt verkauft. Gegenwärtig liegen bei der BVVG noch 3024 EALG-Anträge für etwa 150 000 Hektar vor.

Ist dieses Gebiet abgearbeitet wird die BVVG mit weniger Personal auskommen. Beschäftige man heute noch rund 800 Mitarbeiter, werden es ab 2012 nur noch rund 400 sein, sagte Horstmann. dr

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