Landwirtschaft : Deutschlands Bauern rufen um Hilfe

Die Landwirtschaft leidet, sagt der Deutsche Bauernverband. Greenpeace bezeichnete „das Gejammer“ als „heuchlerisch“.

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Wenige Tage alten Ferkel liegen am 21.08.2014 in einer Box einer Schweinezuchtanlage in Mecklenburg-Vorpommern. dpa
Wenige Tage alten Ferkel liegen am 21.08.2014 in einer Box einer Schweinezuchtanlage in Mecklenburg-Vorpommern.Foto: dpa

Das russische Einfuhrverbot und die schwache Nachfrage in asiatischen Ländern haben die Lage der Landwirte nach Angaben des Deutschen Bauernverbands „drastisch verschlechtert“. Wie Verbandspräsident Joachim Rukwied am Dienstag in Berlin mitteilte, erwirtschafteten die Betriebe im Zeitraum von Juli 2014 bis Ende Juni 2015 im Schnitt 35 Prozent weniger Gewinn als im Vorjahr. Egal ob Obst, Gemüse, Getreide oder Fleisch: die Bauern wurden ihre Lebensmittel schlecht los.

Besonders stark litten die Landwirte demnach unter dem infolge des Ukraine-Konflikts verhängten Handelsembargo, durch das wichtige Absatzmärkte komplett weggebrochen seien. Die dadurch verursachten Verluste beziffert der Verband auf insgesamt eine Milliarde Euro.

Die hausgemachten Probleme

Doch auch hausgemachte Probleme prangern die Landwirte an. So komme das Verhalten von Handelsketten beim Einkauf von Agrarprodukten immer mehr „wettbewerbswidrigen Preisabsprachen“ gleich, beklagte Rukwied. Angstvoll verfolgten die Bauern auch die Pläne zur Übernahme der Kaiser’s-Tengelmann-Märkte durch Edeka: Das Kartellrecht werde zum „stumpfen Schwert“, wenn im Handel weitere Fusionen erlaubt würden, die mit ihrer Nachfrage-Macht den Druck auf Bauern weiter erhöhten und Preisverfall begünstigten.

Einen besonders „massiven Erlös- und Einkommenseinbruch“ hätten im abgeschlossenen Geschäftsjahr Schweine- und Milchbauern erlebt. Für letztere gingen die Erlöse um 44 Prozent zurück. Gegen den Trend konnten lediglich Ökobauern und Winzer ein Plus vermelden.

Das Gejammer sei heuchlerisch

Der Bauernverband vertritt rund 280 000 landwirtschaftliche Betriebe. Die Umweltorganisation Greenpeace bezeichnete „das Gejammer“ als „heuchlerisch“ – weil selbst verschuldet: Mengen- und Preisregulierungen habe die Politik auf Anraten des Bauernverbands abgebaut, die Tierhaltung sei auf sein Drängen extrem intensiviert worden, sagte Martin Hofstetter der Nachrichtenagentur AFP. Die einseitige Ausrichtung auf Billigproduktion und Exporte räche sich schneller als gedacht. „Die Welt hat nicht auf Schweinebäuche und billiges Milchpulver aus Deutschland gewartet.“

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