Landwirtschaft : Die Milch macht’s

Die deutschen Bauern rechnen mit steigenden Preisen für Milch und Getreide. Dennoch fürchten sie, von der Wirtschaftskrise mitgerissen zu werden und fordern daher Hilfe vom Staat.

Esther Wiemann
Kuh
Renditebringer. Die Bauern hoffen darauf, dass die Kühe steigende Erträge liefern. -Foto: dpa/pa

Berlin - Die deutschen Bauern rechnen mit steigenden Preisen für Milch und Getreide. Dennoch fürchten sie, von der Wirtschaftskrise mitgerissen zu werden und fordern daher Hilfe vom Staat. Der Milchmarkt werde sich bis Mitte des Jahres festigen, sagte Gerd Sonnleitner, Präsident des Deutschen Bauernverbands (DBV), am Donnerstag in Berlin. Der Milchpreis werde dann dauerhaft bei über 30 Cent pro Liter liegen, vermutet er. Derzeit dürfte er nach Branchenschätzungen unter dieser Marke liegen. Im vergangenen Jahr hatten die Milchbauern vergeblich gegen die Billigpreise der Discounter demonstriert und dabei sogar ihre Milch auf die Straßen geschüttet. Die Bauern fordern 43 Cent pro Liter, tatsächlich sind die Erzeugerpreise für Milch und Getreide in den vergangenen Monaten aber gesunken.

Selbst wenn die Preise wieder steigen sollten, werden die Verbraucher davon wenig merken, glaubt Sonnleitner. Denn die Rohstoffe würden weniger als ein Viertel der Gesamtnahrungsmittelkosten ausmachen. „Der deutsche Verbraucher wird sich nach wie vor mit am billigsten auf der ganzen Welt ernähren“, sagte Sonnleitner.

Vor dem Hintergrund der weltweiten Konjunkturkrise fordert der Deutsche Bauernverband bessere Investitionsbedingungen für die Landwirtschaft. Zwar gebe es im nationalen und europäischen Markt für Nahrungsmittel bisher keine größeren Einbrüche, die Verbraucher seien aber verunsichert und würden auf Billigprodukte umschwenken, fürchtet der Verband.

Nach Einschätzung Sonnleitners werden die Bauern daher weitere Einkommenseinbußen erleiden. Das monatliche Bruttoeinkommen je selbstständiger Familienarbeitskraft wird von rund 2800 Euro in diesem Wirtschaftsjahr auf 2420 Euro sinken. Mit etwa 41 000 Euro werde jeder Betrieb rund 7000 Euro weniger verdienen als im Jahr zuvor. „Wir bewegen uns leider momentan wieder auf einem Erzeugerpreisniveau von Anfang dieses Jahrzehnts“, sagte Sonnleitner. Dagegen dürfte es den Schweinehaltern besser gehen. Nach dem desaströsen letzten Wirtschaftsjahr dürften die Erlöse steigen, sagte der Bauernpräsident. Das liegt vor allem an den sinkenden Futter- und Energiekosten. Allein im vergangenen Jahr hatten 16 Prozent der Schweinezüchter aufgegeben.

Von der Bundesregierung fordern die Bauern Unterstützung. Im neuen Konjunkturpaket wollen sie eine zusätzliche Investitionsförderung von mindestens 50 Millionen Euro. Schon aus Wettbewerbsgründen müsse die Dieselbesteuerung in der Landwirtschaft an die niedrigeren Steuersätze der Nachbarstaaten der Europäischen Union herangeführt werden. Außerdem müsse die degressive Abschreibung ausgedehnt werden. Erforderlich sei zudem eine steuerfreie Rücklage für Risiken.

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