Landwirtschaft : Greenpeace fordert Halbierung des Fleischkonsums – fürs Klima

Die Umweltorganisation legt einen Vorschlag für eine Agrarwende bis 2050 vor: Die Preise würden steigen, aber die Umweltkosten könnten sinken.

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Auf der Weide. Ökologische Rinderhaltung auf dem Hof Degreif "Gut Breite" in Brandenburg.
Auf der Weide. Ökologische Rinderhaltung auf dem Hof Degreif "Gut Breite" in Brandenburg.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Kurz vor der Grünen Woche in Berlin hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace mit dem „Kursbuch Agrarwende 2050“ einen Plan für einen klimafreundlichem Umbau der Landwirtschaft vorgelegt. Denn bisher habe die Landwirtschaft zum Klimaschutz nahezu nichts beigetragen, so die Kritik von Greenpeace.

Das Forschungsinstitut für ökologische Landwirtschaft (FIBL) hat im Auftrag von Greenpeace eine Studie vorgelegt, wie es gelingen kann, in Deutschland eine Landwirtschaft mit der Hälfte ihrer aktuellen Treibhausgasemissionen zu betreiben. Dazu müsste der Fleischkonsum der Deutschen etwa um die Hälfte sinken, von etwa 60 Kilogramm pro Kopf und Jahr auf etwa 30 Kilogramm. Entsprechend weniger Tiere müssten in Deutschland gemästet werden. Im Ergebnis würden die Treibhausgasemissionen deutlich sinken.

Vor allem der Methanausstoß der Rinderhaltung lässt sich wirksam nur durch weniger Rinder senken. Die Nitratwerte in der Luft und im Wasser würden sinken, wenn weniger Schweine und Hühner gehalten würden. Zudem würde der Gülle-Tourismus durch ganz Deutschland deutlich reduziert. Derzeit fahren täglich Güllewagen aus den Regionen mit hohen Tierdichten vor allem in Richtung Ostdeutschland, um auf den dortigen Äckern die überschüssigen Mengen als Dünger loszuwerden. Der grüne Agrarpolitiker Friedrich Ostendorff sagte am Samstag ebenfalls: "Die Tierzahlen müssen runter."

Bienen schützen und weniger Düngen

Um das Artensterben aufzuhalten, müssten nach FIBL- und Greenpeace-Einschätzung weitere Flächen aus der Produktion genommen werden. Aktuell werden elf Millionen Hektar als Ackerland und weitere fünf Millionen Hektar als Grünland genutzt. Zudem schlägt das Forschungsinstitut vor, Pestizide zu verbieten und die Nitratdüngung deutlich zu vermindern. Der Verzicht auf Pestizide würde vor allem den Insekten – und damit auch Vögeln und Kleinsäugern – zugutekommen, weil diese dann wieder genügend Nahrung auf den Feldern finden würden. Wenn weniger gedüngt wird, sickert weniger Nitrat ins Grundwasser, und es entsteht weniger Lachgas, ein sehr wirksames Klimagas.

Unmittelbar fordert Greenpeace ein Verbot bienengefährlicher Pestizide. Derzeit gilt noch ein Moratorium für die sogenannten Neonikotinoide, das derzeit von der Europäischen Union überprüft wird. Der Umweltorganisation geht auch die Dünge-Verordnung nicht weit genug, die seit zwei Jahren im Kabinett, in den Bundestagsfraktionen und den Ländern diskutiert wird, und die im ersten Quartal verabschiedet werden soll. Während das Umweltbundesamt lediglich die Mehrwertsteuersubvention für Fleisch- und Wurstwaren abschaffen möchte, stellt sich Greenpeace eine neue Abgabe vor, deren Einnahmen genutzt werden sollen, um Bauern bei der Umstellung auf eine umweltverträgliche Landwirtschaft zu helfen.

Die Agrarsubventionen sollten ebenfalls an ökologische Vorleistungen der Landwirte gebunden werden, schlagen die Umweltschützer zudem vor. „Die industrialisierte Landwirtschaft hat bei uns keine Zukunft“, sagt Greenpeace-Agrarexperte Martin Hofstetter. Allerdings müssten die Verbraucher „mit höheren Preisen rechnen“, um den Sektor klimafreundlich zu gestalten. Aber auf der anderen Seite würden die Kosten für Umweltprobleme wie beispielsweise eine teure Trinkwasseraufbereitung mittelfristig wegfallen.

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