Landwirtschaft : Gute Ernte, schlechte Preise

Die Bauern könnten über die Ernte ganz zufrieden sein – wären da nicht die niedrigen Preise. Eine wahre Berg- und Talfahrt hat es seit Monaten gegeben. Dabei war im vergangenen Jahr der Preis für Getreide auf ungeahnte Höhen geklettert, jetzt setzt er aber zum Sturzflug an.

Marc-Oliver von Riegen
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Berlin - Die Landwirtschaft ist nicht mehr nur abhängig vom Wetter, sondern längst auch von globalisierten Märkten. Ob Ferkel, Kartoffeln oder Weizen – sie sind auch zu einem Spekulationsobjekt an Terminbörsen geworden. Was auf der einen Seite große Chancen für die Bauern birgt, kann andererseits zur Bedrohung werden.

„Unter den jetzigen Bedingungen könnten wir nicht weiter produzieren“, sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner, als er am Freitag die Ernte 2009 bilanzierte. Für Brotweizen bekommen die Bauern mit 106 Euro pro Tonne 36 Prozent weniger als im Vorjahr, für Braugerste sind es bei einem ähnlichen Preis sogar 45 Prozent weniger. Weil die Braugerste nun einmal wichtig ist für die Herstellung von Bier, will Sonnleitner keinem Erzeuger mehr einen Anbau empfehlen, falls das Preisniveau so bleibt. Aus 100 Kilo Braugerste werden fast 500 Liter Bier gebraut, rechnet der Bauernpräsident vor. Der Erzeuger bekomme aber so wenig, dass er sich nicht einmal einen einzigen Kasten Bier davon kaufen könne.

Das Preisniveau von Getreide war angesichts knapperer Erträge und wachsender Nachfrage 2008 drastisch gestiegen. „Die europäischen Landwirte reagierten auf die hohen Getreidepreise des Vorjahres mit einer Ausdehnung der Anbaufläche um 4,5 Millionen Hektar (plus 8,4 Prozent)“, schreibt der Deutsche Raiffeisenverband in seinem Jahresbericht. In Erwartung einer deutlich höheren Ernte sanken die Preise dann wieder. Inzwischen ist das Preisniveau von 2006 erreicht. Dem stehen hohe Preise für Dünger, Energie und Saatgut gegenüber.

Der Bauernpräsident hofft, dass das Preisniveau sich im Herbst und Winter entspannt. Vielleicht vertraut er auf die Bauernregel: „Der August reift – der September greift.“ Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte den Bauern Hilfe zugesichert. Und so wurde im Wahljahr eine Entlastung bei der Agrardieselsteuer vereinbart. Dies bringt nur eine begrenzte Entlastung, sagte Sonnleitner und forderte weitere Hilfen von der Bundesregierung. So soll Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) von einer Versicherungssteuer von 19 Prozent absehen, wenn die Bauern sich nicht nur gegen Hagelschlag, sondern auch gegen Frost, Sturm und Starkregen versichern wollen. Die Bauern wollen weitere Risiken vermeiden: Zum Beispiel mit Verträgen, die vor der Ernte abgeschlossen werden.

Die FDP-Bundestagsfraktion wirft der Bundesregierung vor, sie habe die Lage der Bauern mit zusätzlicher Bürokratie verschlimmert. „Das rächt sich zusammen mit den fehlenden Kostenentlastungen“, sagte FDP-Agrarpolitiker Hans-Michael Goldmann. Nach Ansicht des Bauernverbandes müssen sich die Landwirte auch weiter auf Preisschocks einstellen, auf Wechselkursschwankungen und Tierseuchen. Da wirkt doch eines tröstlich: „Von der Schweinegrippe ist übrigens bisher kein einziges Schwein in Deutschland betroffen“, sagte Sonnleitner. dpa

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