Landwirtschaft : Massenproteste der Milchbauern

Mehr als 20.000 Milchbauern haben in ganz Deutschland vor Molkereien für eine Erhöhung der Erzeugerpreise demonstriert. Sie fordern 40 Cent pro Kilogramm Milch - bisher müssen sie sich im Schnitt mit 27 Cent begnügen.

Everswinkel - Insgesamt habe es Demonstrationen an 110 Standorten gegeben, darunter vor Milchwerken der größten deutschen Molkereikonzerne Nordmilch, Humana Milchunion und Müller-Milch, sagte der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter, Romuald Schaber. Schwerpunkt sei Bayern gewesen. Die Bauern wollen einen Abgabepreis von 40 Cent pro Kilogramm für Milch an die Molkereien durchsetzen. Der Preis liegt zurzeit bei durchschnittlich 27 Cent.

Mit den Demonstrationen begleiten die Bauern die turnusmäßigen Preisverhandlungen zwischen Molkereiwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel, die nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes kurz vor dem Abschluss stehen. Nach derzeitigem Stand können die Molkereien mit Erhöhungen um 15 bis 20 Prozent rechnen. Nach Angaben des Landesbauernverbandes Baden-Württemberg sind erste Ergebnisse bereits erzielt worden. Danach soll es eine Preiserhöhung für die Molkereien um etwa acht Cent pro Liter geben.

"Für uns ist die Situation völlig undurchsichtig", beklagte dagegen Bauernvertreter Schaber. Er forderte die Molkereiwirtschaft auf, die Bauern an den Preiserhöhungen teilhaben zu lassen. "Wir lassen uns nicht wieder mit einem oder zwei Cent Erhöhung abspeisen", sagte er. Notfalls werden die Landwirte im Herbst ihre Milch zurückhalten und die Molkereien trocken legen, drohte er. Auch der Hauptgeschäftsführer des Bauernverbandes Baden-Württemberg, Peter Kolb, forderte die Molkereien auf, erzielte Preiserhöhungen an die Bauern weiter zu geben.

Aldi und Lidl drücken Preisniveau

Am Mittwoch waren im Südschwarzwald bei der Breisgau-Milch 1000 Demonstranten vor den Werkstoren vorgefahren, im bayerischen Weihenstephan seien 680 Bauern zusammengekommen, sagte Schaber. Auch vor der Großmolkerei Omira in Ravensburg machten am Vormittag 200 Bauern ihrem Unmut Luft. Insgesamt hätten mehr als 20.000 Landwirte für höhere Milchpreise demonstriert.

Der Weltmarkt für Milch und Milchprodukte hat sich innerhalb des vergangenen Jahres deutlich verändert. Milchseen und Butterberge sind deutlicher kleiner geworden. Die immense Nachfrage aus Asien habe den Markt förmlich auf den Kopf gestellt, sagte ein Sprecher des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes. "Es ist unglaublich, was China ansaugt." Diese Situation versetze die Molkereien in die Lage, erstmals seit Jahren deutliche Preiserhöhungen beim Handel durchzusetzen. Vor allem die Discounter wie Aldi und Lidl hatten in den vergangenen Jahren mit Ladenverkaufspreisen von weniger als 50 Cent pro Liter H-Milch das Preisniveau gedrückt. (tso/dpa)

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