Wirtschaft : Landwirtschaft: Ökoverbände attackieren Bauern

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Zum Auftakt der Grünen Woche haben Umweltschützer und Ökoverbände an die Bundesregierung appelliert, die Wende in der Agrarpolitik nicht zu verzögern. Verbraucher und Bauern könnten aus einer neuen Agrarpolitik als Gewinner hervorgehen, sagte Hubert Weinzierl, Präsident des Deutschen Naturschutzrings am Donnerstag in Berlin. "Uneinsichtige Funktionäre" der Bauern forderte er auf, "die Zeichen der Zeit zu erkennen". Angesichts der BSE-Krise könne es in der Landwirtschaft kein Zurück zum alten Stil mehr geben. Die Zeit für eine Agrarwende sei "überreif".

Die Verbände kündigten an, die Bundesregierung bei der Neuorientierung der Agrarpolitik zu unterstützen. Alternativkonzepte für die Landwirtschaft lägen bereits seit Jahren vor. Zugleich forderten die Umweltorganisationen die Bundesregierung auf, mehr Geld in den Schutz und die Information der Verbraucher zu verwenden. Denn diese müssten bereit sein, von Billigprodukten auf Erzeugnisse des ökologischen Landbaus umzusteigen. Daher sprach sich Klaus-Peter Wilbois, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau, für eine Imagekampagne aus, um die Verbraucher von der Qualität und der Sicherheit ökologischer Produkte zu überzeugen. Dann sei es auch möglich, den Anteil des Öko-Landbaus bis 2005 auf zehn Prozent zu erhöhen.

Die Neuorientierung der Agrarpolitik muss nach Auffassung der Verbände die große Mehrheit der bäuerlichen Betriebe umfassen. Subventionen für agrarindustrielle Großtriebe hingegen sollten reduziert werden, fordern sie. "Es fließt nicht zu viel Geld in die Landwirtschaft, sondern es ging bisher in die falschen Kanäle", sagte der Grüne Europapolitiker und Agrarexperte Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf. Wenn 20 Prozent der Betriebe 80 Prozent der Subventionen erhielten, sei das ein Skandal.

Vorschläge für Veränderungen werden in dem am Donnerstag vorgelegten "Kritischen Agrarbericht" formuliert. Statt der Prämien für den Anbau von Futtermais sollte eine Grünlandprämie eingeführt werden. Subventionen für Tierhaltung müssten an die Fläche gebunden werden. Ausgleichszahlungen sollten nur dann gewährt werden, wenn die landwirtschaftlichen Betriebe auch bestimmte Umweltstandards einhalten.

Die Verbände forderten außerdem eine kritische Überprüfung des so genannten vorgelagerten Sektors, der Futtermittel-, Dünger- und Pflanzenindustrie. An Futtermittel müssten dieselben strengen Anforderungen gestellt werden wie an Lebensmittel. "Wenn statt Tiermehl genmanipulierte Pflanzen verfüttert werden, birgt das vielleicht eine noch größere Gefahr", warnte Hubert Weiger vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND). Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) kündigte am Donnerstag an, sie werde Eckpunkte ihrer Politik im Februar vorstellen.

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