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Landwirtschaft : Soja-Boom macht Argentiniens Kleinbauern zu schaffen

Der Wirtschaftsboom in Argentinien basiert zu großen Teilen auf dem Export von Gen-Soja. Der großflächige Anbau und Landenteignungen werden jedoch für die Kleinbauern des Landes zu einem ernsten Problem.

Anna Dobelmann[dpa]
Soja Argentinien
Großbauern, wie Gustavo Grobocopatel, profitieren vom Soja-Boom. Die Kleinbauern verlieren hingegen immer mehr Land. -Foto: AFP

Buenos AiresFriedlicher könnte das Bild nicht sein: Ziegen weiden auf der grünen Steppe, heben ab und zu den Kopf, um ihn dann gleich wieder über die Grasbüschel zu senken. Andere liegen träge daneben, die Augen halb geschlossen. Die Tiere gehören Norberto Ramirez. Der 23-Jährige lebt hier - im Norden der zentralargentinischen Provinz Córdoba - mit seinen Eltern und seiner Frau. Mit ihren etwa 100 Ziegen produzieren sie Fleisch, Milch, Käse und die argentinische Spezialität dulce de leche, eine aus Milch und Zucker hergestellte Karamellcreme. Doch der Friede ist trügerisch: Norberto hat Angst. In der Nähe hat sich ein US-amerikanischer Unternehmer Land gekauft, und kurz darauf wurden einige Ziegen seiner Nachbarn umgebracht.

Die Bauern kennen diese Methode. Inzwischen wehren sie sich. Vor etwa zwei Jahren hätten sie begonnen, sich zu organisieren, erzählt Norberto. Noch ist die Bewegung der Bauern klein, aber immerhin ein Anfang. Der Grund für ihre Abwehrhaltung ist wie überall in der Welt der gleiche: schneller Profit einiger ohnehin schon kapitalträchtiger Unternehmen auf ihre Kosten - in diesem Fall durch den Anbau von Sojabohnen.

Sojabohnen als Export-Schlager

Die argentinischen Exporte boomen, und die Wirtschaft legt Wachstumsraten wie in China vor. Eine wichtige Antriebsfeder ist die Ausfuhr von 44 Millionen Tonnen Sojabohnen jährlich. Doch während sich Präsident Néstor Kirchner über klingelnde Steuerkassen freut, kämpfen eben viele Kleinbauern in den Provinzen ums wirtschaftliche Überleben. Der Soja-Anbau bedroht ihren Lebensraum, Unkrautvernichtungsmittel belasten die Umwelt, und große Agrarunternehmen - oft mit internationalem Kapital im Rücken - verdrängen sie. Politik, Polizei und Justiz halten meist eher zu den einflussreichen Großunternehmen, und so bleibt den Kleinbauern nur, sich zu organisieren.

"Mit weniger als 100 Ziegen könnten wir kaum noch über die Runden kommen", klagt Ramirez. Fehlt die Lebensgrundlage, sind die Bauern gezwungen, in der Stadt Arbeit zu suchen, nicht selten landen sie dann in den "Villas miserias", wie die Slums am Rande der Großstädte in Argentinien genannt werden. Den großen landwirtschaftlichen Unternehmen ist das nur recht. Sie kaufen das Land und nehmen es für Soja unter den Pflug.

Kaum Besitzurkunden und mangelnde Bildung

Meistens jedoch geht die Verdrängung auf zumindest juristisch legale Art vor sich. Die landesweit noch etwa 250.000 Kleinbauern leben seit Generationen hier, doch einen Nachweis über ihr Eigentum an dem Land wie etwa einen Grundbuchauszug haben sie oft nicht. Deshalb kann es vorkommen, dass der Staat "ihr" Land als "herrenlos" den "Sojeros", den Großbauern, verkauft.

Tut der Staat das nicht, oder haben die Kleinbauern eine Eigentumsurkunde, wird auch schon mal zu anderen Mitteln gegriffen. So werden den Bauern zum Beispiel die Zahlung einer Rente oder andere "Vorteile" versprochen. Oft des Schreibens und Lesens unkundig, verkaufen viele von ihnen viel zu billig. Und dann dauert es meist nicht lange, und die Polizei steht mit dem Räumungsbefehl vor der Tür.

Sojafelder kreisen Kleinbauern ein

"Genaue Zahlen über Vertreibungen gibt es nicht", berichtet der argentinische Soziologe Diego Dominguez. Doch zwischen 1988 und 2002 verschwanden 80.000 bis 100.000 kleine landwirtschaftliche Betriebe, erzählt er. Neben wirtschaftlichen Problemen, die Betroffene zur Aufgabe ihres Betriebes zwangen, seien dafür die Vertreibungen verantwortlich. "Zudem können viele Kleinbauern - eingekreist von Soja-Feldern - auch so nicht mehr wirtschaften", sagt er.

Natürlich sind die meisten Vertreibungen illegal, und auch im Agrarministerium in der Hauptstadt Buenos Aires ist das Problem bekannt. In der Provinz jedoch verhindert nicht selten ein Netz aus Korruption und Vetternwirtschaft zwischen Polizei, Politik und Wirtschaft, dass Kleinbauern zu ihrem Recht kommen. Häufig werden ihre Anzeigen schon von der Dorfpolizei abgewiesen. Aber auch wenn sie es bis vor das Gericht schaffen, bleibt ungewiss, ob sie wirklich zu ihrem Recht kommen. Es gab auch schon fragwürdige Urteile.

Regierung setzt auf Soja-Exporte

"Wer bei dem Geflecht verschiedener Interessen von wem profitiert, wissen wir nicht so genau", sagt Dominguez, der selbst im Landwirtschaftsministerium arbeitet. Die Großbauern weisen jegliche Verantwortung von sich. Und die Wirtschaft? "Die Probleme der Kleinbauern haben nichts mit dem Soja-Anbau zu tun", betont Raquel Caminoa von der zuständigen Landwirtschaftskammer. Stattdessen verweist sie auf die große Bedeutung des Soja-Anbaus für den Wirtschaftsboom.

Doch nicht nur mit Verdrängung und Vertreibung haben kleinere Bauernhöfe zu kämpfen. Fast 100 Prozent des in Argentinien angebauten Sojas ist gentechnisch verändert und wird mit Glyphosat gespritzt. Dieses Herbizid zerstört alle Pflanzen - außer dem gentechnisch resistent gemachten Soja. Inzwischen klagen die Bauern schon über gesundheitliche Beschwerden. Zwar gibt es keine offiziellen Studien, doch Ärzte berichten von vermehrten Missgeburten und Krebserkrankungen, Allergien, Atembeschwerden und Augenbrennen.

Soja-Anbau verdrängt andere Produkte in der Landwirtschaft

Argentinien sei eine "Soja-Republik" geworden, scherzt Dominguez finster in Anspielung auf den Begriff "Bananen-Republik", in der vor allem die Interessen großer Exportunternehmen die Politik bestimmen. "Der Soja-Anbau könnte der Selbstmord der argentinischen Landwirtschaft werden", warnt er. Soja verdrängt andere Erzeugnisse wie Fleisch, Gemüse, Milch oder Reis. Diese werden knapper und damit teurer. Die neue Landwirtschaft setzt immer mehr Technik ein und braucht immer weniger Menschen. "Wir sind auf dem Weg zu einer Landwirtschaft ohne Landwirte", klagt er.

Menschen wie Norberto Ramirez werden dann nicht mehr gebraucht. Er ist hier aufgewachsen, im Monte, einer trockenen, aber grünen Vegetation. Zwei Lehmhütten mit Wellblechdach mitten im Nirgendwo sind sein Zuhause. Vor der Hütte macht der Mate-Tee die Runde. Ein paar Hühner laufen herum, und eine Katze streicht den Menschen um die Beine. "Ich hoffe, dass auch meine Kinder noch auf diesem Land leben können", sagt der 23-Jährige unsicher. Er ist es nicht gewohnt, viel zu sprechen. Ein bescheidener Wunsch, doch angesichts des Soja-Booms wohl eher ein utopischer. Vielleicht aber geschieht doch noch ein Wunder, und der argentinische Wirtschaftsaufschwung vollzieht sich mit den und nicht ohne die Kleinbauern. Norberto und die Organisation werden zumindest alles dafür versuchen.

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