Wirtschaft : Lange Bremsspur beim Benzinpreis

Bernd Hops

Die vergangene Woche hat die Zeitungslandschaft um eine scheinbar paradoxe Überschrift reicher gemacht: „Benzin teurer, Öl billiger“. Während die Preise für den Rohstoff wieder nachgaben, meldete der Mineralölwirtschaftsverband (MWV), dass der Preis für einen Liter Eurosuper im Januar durchschnittlich bei 1,265 Euro gelegen hatte – 2,8 Cent über dem Dezemberwert.

Des Rätsels Lösung liegt darin, dass es immer eine Zeit braucht, bis sich Preisänderungen an den Ölbörsen zunächst bei den Raffinerien und dann an den Tankstellen niederschlagen. Jeder Cent, den ein Tankstellenbetreiber früher als die anderen auf seine Preise aufschlägt, bedeutet den Verlust von Autofahrern an die Konkurrenz. Jeder Tankstellenkonzern beobachtet deshalb die Preispolitik der anderen sehr genau – und macht seinen Treibstoff erst dann teurer, wenn zu viele Minuszeichen auf den Monitoren seiner Sachbearbeiter stehen.

Für die großen Konzerne, die derzeit Milliarden in der Ölförderung verdienen, geht es hier vor allem darum, den Tankstellenbereich möglichst nicht in die roten Zahlen rutschen zu lassen. Für Mittelständler, die nur vom Tankgeschäft leben, ist es aber überlebenswichtig, dass die Großen hin und wieder an der Preisschraube drehen. Und aus ihrer Sicht könnte es noch ein bisschen mehr sein. Denn nach Berechnungen des MWV sind die Einkaufskosten an den internationalen Benzinmärkten, auf denen sich die Tankstellenbetreiber eindecken, sogar um einen halben Cent stärker gestiegen als an den Tankstellen. Das bedeutet weiteren Druck nach oben – und lässt die Benzinpreise sogar in einer Phase ansteigen, in der Öl billiger wird.

Ähnliche Phänomene kann man im Übrigen nicht nur in Deutschland beobachten, sondern auch zum Beispiel im jüngsten Wochenreport der US-Energiebehörde EIA zum amerikanischen Ölmarkt. Während der Preis an der Zapfpistole sowohl für Benzin als auch für Diesel um 0,9 Prozent beziehungsweise 0,7 Prozent zulegte, fiel der Ölpreis um 0,5 Prozent und ebenso die Preise an den Treibstoffmärkten für die kurzfristige Lieferung von Benzin (minus 2,9 Prozent) und Diesel (3,7 Prozent).

Für die kommenden Wochen müssen sich die Verbraucher auf noch größere Preisausschläge gefasst machen. Denn der Atomstreit mit dem Iran bietet den Ölmärkten viel Raum für Spekulationen – und für höhere Notierungen.

erklärt, warum Benzin teurer wird, obwohl der Ölpreis fällt

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben