Lange Nacht der Berliner Industrie : Besuch an der Werkbank und im Labor

Heute Abend gibt es zum dritten Mal die Lange Nacht der Berliner Industrie. 38 Unternehmen beteiligen sich und werben dabei um den Nachwuchs.

Alfons Frese
Klaus Wowereit war auch schon da. Die Berlin-Chemie im Süden Berlins gehört zu den Zielen der Langen Nacht der Industrie.
Klaus Wowereit war auch schon da. Die Berlin-Chemie im Süden Berlins gehört zu den Zielen der Langen Nacht der Industrie.Foto: picture-alliance

Insgesamt 38 Unternehmen und Standorte laden heute mit der Langen Nacht der Industrie zu einer Entdeckungsreise durch die Berliner Wirtschaft ein. Es ist bereits die dritte Veranstaltung dieser Art. Die Teilnahme kostet nichts, doch Interessierte mussten sich bereits vorab für eine der 21 Touren registrieren lassen. Das Hauptziel der Veranstalter, des Netzwerks Industriepolitik, von Senat und Wirtschaftsförderern: Fachkräfte und Firmen zusammenbringen. Insgesamt nehmen 38 Unternehmen teil. "Sie zeigen die Vielfalt der Technologien und Produkte und geben Einblicke in modernste Produktionsstätten, innovative Arbeitsabläufe und spannende Berufsfelder", so die Beschreibung der Berlin Partner. Mit dabei sind vom mittelständischen Hidden Champion bis zum Global Player bekannte und weniger bekannte große und kleine Unternehmen. Zum Beispiel das Vattenfall Heizkraftwerk in Mitte, das 600 000 Berliner Haushalte mit Strom versorgt, der kanadische Schienenfahrzeughersteller Bombardier, der 2800 Menschen in der Hauptstadtregion beschäftigt, und die Aufzug- und Fahrtreppenfabrik von Schindler. Aber auch die weniger bekannten Gerätebau Dr. Ing. Herbert Knauer GmbH und die hmp Heidenhain Microprint GmbH stehen auf dem Programm.

In der Berliner Industrie arbeiten 106 000 Menschen

Zur Industriestadt Berlin gehören nach Angaben der Berlin Partner 730 Betriebe mit rund 106.000 Beschäftigten. Vom Motorrad über Turbinen und Kompressoren bis hin zur Verpackungsindustrie oder hochkomplexen Arzneimitteln und Herstellung von Designerbrillen – Berlin hat wieder eine Vielzahl von Technologien und Produkten zu bieten. Nach der Wende brach die Industrie völlig zusammen - und zwar in beiden Teilen der Stadt. Die Betriebe im Osten verkrafteten nicht den Kapitalismus und waren ähnlich wettbewerbsschwach wie viele Betriebe im Westteil, die das Auslaufen der Berlinförderung nicht überlebten. Hunderttausende Arbeitsplätze gingen verloren. Doch seit einigen Jahren geht es wieder aufwärts - allerdings von einem niedrigen Niveau aus. Hilfreich war bei der Revitalisierung des verarbeitenden Gewerbes die zunehmende Orientierung der Politik auf die Industrie, deren Wert durch einen "Masterplan Industrie" und den beim Regierenden angesiedelten Steuerungskreis Industriepolitik bekräftigt wurde. Sehr erfolgreich ist auch der sogenannte Unternehmensservice: Mitarbeiter der Wirtschaftsförderer von Berlin Partnern sind in den einzelnen Bezirken verortet und betreuen von dort aus die im Bezirk ansässigen Betriebe.

Cornelia Yzer betont Lösungen für "Smart Cities"

Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) erklärte am Mittwoch, „zu einer dynamischen und internationalen Metropole wie Berlin gehört auch eine leistungsstarke Industrie". Viele der Lösungen für die „Smart Cities“ von morgen seien bereits heute „Made in Berlin“. Hier würden beispielsweise Smart-Grid-Technologien oder Elektro- und Hybridantriebe entwickelt und produziert. "Mit einer profilierten Forschungslandschaft sowie einer wissensbasierten und kreativen Start-up-Szene sowie qualifizierten Fachkräften bietet Berlin die Standortbedingungen, die Unternehmen für die Entwicklung von zukunftsfähigen Produkten, aber auch für die Fabrik von morgen brauchen“, meinte die Senatorin.

Den Auftakt der diesjährigen langen Nacht bildet um 17 Uhr die Eröffnungsveranstaltung im Lichthof der Technischen Universität Berlin. Dort begrüßen Staatssekretär Guido Beermann aus der Senatsverwaltung für Wirtschaft, TU-Präsident Thomsen und als Vertreter des Netzwerks Industriepolitik Rainer G. Jahn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Bei den anschließenden Unternehmensführungen können die Besucherinnen und Besucher einen Blick hinter die Kulissen der Berliner Industrie werfen, Fragen stellen und sich ein eigenes Bild von der Industrie machen. Für Schüler und Studierende bieten die Touren eine besondere Gelegenheit, sich über Berufe und Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren.

Veranstalter der Langen Nacht der Industrie ist das Netzwerk Industriepolitik. Zu diesem Netzwerk gehören neben diversen Industrieunternehmen die Berliner Kammern und Industrieverbände ebenso wie die Gewerkschaften und Fördereinrichtungen des Landes. Besucht werden unter anderem, Zementwerke, BMW und MAN Diesel, das Druckhaus von Springer, die Berliner Wasserbetriebe und die BSR, die Vissmann Werke und Berlin-Chemie.

  

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