Lange Nacht der Industrie in Berlin : Vom Aufzug bis zur Kunststoffbox

Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer macht die „Lange Nacht der Industrie“ zum Tag und besucht vier Berliner Industriebetriebe.

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Zum Training bei Schindler in Berlin: Danny Tragl aus Nürnberg und Jan Kowol aus Hamburg müssen den Fehler in der Bremsanlage finden.
Zum Training bei Schindler in Berlin: Danny Tragl aus Nürnberg und Jan Kowol aus Hamburg müssen den Fehler in der Bremsanlage...Foto: Janka Schneider/Schindler

Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) legt den kleinen Hebel um. Neben ihr auf dem Boden steht ein Plexiglaskasten mit dem Modell einer Weiche in Originalgröße. Ein Summen ist zu hören, dann ein Klacken, jetzt ist die Weiche am richtigen Platz. In der Schützenstraße in der Mitte Berlins entwickelt und testet das französische Unternehmen Thales unter anderem sein elektronisches Stellwerk. Normalerweise muss man da zum Stellen einer Weiche keinen Hebel mehr umlegen – das macht sich aber besser, wenn Besucher da sind.

Und davon erwartet Thales am Mittwoch noch eine ganze Menge, denn der Technologiekonzern ist eines von 38 Unternehmen, das den Berlinern zur „Langen Nacht der Industrie“ seine Türen öffnet. 2300 Teilnehmer haben sich angemeldet, aber nur 1500 können an den 21 Touren quer durch die Stadt teilnehmen. Die Berliner Industrie will zeigen, was sie kann, und so auch um künftige Fachkräfte werben. „Berlin ist eine Stadt, in der die Leute verhältnismäßig wenig über ihre Unternehmen wissen“, sagt Senatorin Yzer. Das soll sich ändern.

Die Lage Nacht beginnt um 8.30 Uhr am Morgen

Yzers „Lange Nacht der Industrie“ beginnt schon am Morgen um 8.30 Uhr und führt sie durch vier der teilnehmenden Unternehmen. Begleitet wird sie von Udo Niehage, gerade wiedergewählter Präsident der Vereinigung der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg und Siemens-Stadthalter in Berlin. In der Industrie rauchen heute nicht mehr die Schlote, sagt er, sondern die Köpfe.

Auch beim Aufzughersteller Schindler in Marienfelde wird schon lange nicht mehr produziert. Trotzdem beschäftigt Schindler hier 750 Mitarbeiter, die vor allem im Service tätig sind und die Verteilung der Ersatzteile weltweit steuern. „Innerhalb von 24 Stunden muss ein Ersatzteil am Bestimmungsort sein – egal wo auf der Welt“, sagt Geschäftsführer Paolo Compagna. Allein in Berlin gibt es geschätzte 70 000 Aufzüge, rund 800 000 in Deutschland. In einem Teil der alten Produktionshallen hat Schindler ein neues Trainingszentrum eingerichtet. Hier werden im Jahr bis zu 1000 Servicetechniker ausgebildet. Danny Tragl aus Nürnberg und Jan Kowol aus Hamburg sind gerade dabei, den Fehler in einer Bremsanlage zu finden.

Die Kunststoffgehäuse für die Fritz-Boxen kommen aus Marienfelde

Formenbau, Spritzguss und technische Kunststoffteile sind das Metier von India-Dreusicke. Bei dem 1929 gegründeten Unternehmen wird noch produziert – allerdings nicht mehr wie vor 85 Jahren, sondern mit moderner Automatisierungstechnik. Nur so sei eine Produktion auch heute in Deutschland noch möglich, sagt Geschäftsführer Thomas Dreusicke. 60 Mitarbeiter stellen hier unter anderem die Kunststoffgehäuse für die Fritz-Box her, vier bis sechs Millionen Stück im Jahr.

Weniger um Produktion als um smarte Lösungen geht es bei Yzers letzter Station, dem Euref-Campus in Schöneberg. Hier arbeiten unter anderem 200 Leute von Schneider Electric an Lösungen für die Energiewende. „Wir erzeugen keine Energie, wir verbrauchen keine Energie, wir managen die Energie“, sagt Geschäftsleiter Carl Tille. Das nimmt Yzer gerne auf. „Wir sind eine wachsende Stadt, hier können wir Zukunftslösungen für den urbanen Raum zeigen.

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