Wirtschaft : Lange Nacht im Tarifpoker

BÖBLINGEN / HAMBURG (AP).Im Schlichtungsverfahren für die Metallindustrie stellten sich die Unterhändler am Dienstag abend auf eine lange Nacht ein.Der Schlichter Hans-Jochen Vogel sagte, die siebenköpfige Kommission werde ihre Gespräche am Abend kurzzeitig unterbrechen und sich dann wieder am Verhandlungstisch treffen.Unterdessen kündigte der ÖTV-Vorsitzende Mai Warnstreiks zu Beginn der kommenden Woche an.

Bis zum frühen Abend zeichnete sich kein Ergebnis ab.Die Schlichtungsverhandlungen hatten am Morgen begonnen.Sollte es bis Mittwoch um 24.00 Uhr zu keiner Einigung kommen, will die IG Metall ihre rund 500 000 Mitglieder im Südwesten zur Urabstimmung über einen Streik aufrufen.Die Arbeitgeber bieten für die bundesweit 3,5 Millionen Metaller neben einem gewinnabhängigen Einmalbetrag von 0,5 Prozent des Jahreslohns eine Grundlohnsteigerung von 2,3 Prozent an.Die Gewerkschaft will 6,5 Prozent mehr Lohn.Der ehemalige SPD-Vorsitzende Vogel sagte zu Beginn der Gespräche, die Aufgabe sei schwierig, er hoffe aber auf eine Lösung.IG Metall-Verhandlungsleiter Berthold Huber betonte, das Ziel der Gewerkschaft sei kein Streik, sondern ein Ergebnis.Baden-Württembergs Arbeitgeberchef Klaus Fritsche erklärte, er wolle alles tun, um einen Arbeitskampf zu vermeiden.ÖTV-Chef Herbert Mai kündigte unterdessen im Deutschlandfunk an, seine Gewerkschaft werde sich am Ausgang für die Metaller orientieren.Unabhängig davon werde die ÖTV vom 23.Februar an zu Warnstreiks aufrufen.

Huber erklärte im Deutschlandradio, die IG Metall sei zu Zugeständnissen bereit.Die Gewerkschaftsforderung nach 6,5 Prozent mehr Einkommen sei nicht das letzte Wort.Genaue Zahlen wolle er nicht nennen, er wisse nur, daß der Erwartungshorizont der Gewerkschaftsmitglieder über vier Prozent mehr Lohn liege."Und wir wollen heute oder morgen eine Lösung finden." Vor Beginn der Gespräche stimmte sich Huber mit dem stellvertrenden IG Metall-Chef Jürgen Peters ab.Der gesamte Vorstand der IG Metall, der rund 50 Personen umfaßt, wird am Mittwoch nach Sindelfingen reisen.Erwartet wird auch die Zentrale Verhandlungskommission von Gesamtmetall, der alle Verhandlungsführer der regionalen Arbeitgeberverbände angehören.

Der ÖTV-Vorsitzende Mai sagte gegenüber der "Bild"-Zeitung, "die Arbeitgeber müssen von ihrer Position herunterkommen, von uns Gegenfinanzierung zu erwarten, bevor sie überhaupt ein Angebot vorlegen.Deshalb werden wir bereits ab dem 23.Februar bundesweit zu Warnstreiks aufrufen." Betroffen sein würden der öffentliche Nahverkehr, die Verwaltungen, die Müllabfuhr und die Energiebetriebe.Seine Gewerkschaft sei notfalls auch zum Streik bereit, sagte Mai."Unsere Streikkasse ist prall gefüllt." Aber die ÖTV wolle einen Arbeitskampf vermeiden.Er sei nach der Tarifrunde gern bereit, mit den Arbeitgebern über flexiblere Arbeitszeitmodelle zu reden - zum Beispiel über die Einführung von Arbeitszeitkonten.Aber jetzt gehe es "ausschließlich um 5,5 Prozent mehr Geld", sagte Mai.

Auch die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) und die Deutsche Angestelltengewerkschaft (DAG) rechnen noch vor der nächsten Tarifrunde im Versicherungsgewerbe mit ersten Warnstreiks.Die Verhandlungen für die rund 220 000 Mitarbeiter im deutschen Versicherungsgewerbe gehen am kommenden Montag in die nächste Runde.Die Gewerkschaften fordern 6,5 Prozent mehr Gehalt, die Arbeitgeber haben bislang ein Prozent angeboten.

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