Wirtschaft : Langer Sonnabend bringt mehr Umsatz

Vor allem Gutverdiener nutzen verlängerte Öffnungszeiten/Konzerne wollen Ladenschluss komplett kippen

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Düsseldorf (cs/HB). Was viele Handelskonzerne bei der Präsentation ihrer Quartalszahlen bereits vermuteten, bestätigt eine Repräsentativuntersuchung unter 1012 SonnabendEinkäufern: Die Verlängerung der Ladenöffnungszeiten an den Sonnabenden bringt dem Einzelhandel zusätzlichen Umsatz. Im Auftrag mehrerer Handelshäuser fand das Marktforschungsinstitut Forsa nun gemeinsam mit der Mediaagentur HMS & Carat heraus, dass keinesfalls nur Erlöse von den übrigen Werktagen auf den Sonnabend verlagert werden. „Berufstätige und Besserverdienende nutzen die längeren Öffnungszeiten überproportional“, fasst Carat-Marktforscherin Monika Baldauf das Ergebnis der Studie zusammen.

Tatsächlich steigt die Zustimmung der Verbraucher zu den verlängerten Öffnungszeiten mit der Höhe ihres Haushaltsbudgets. 39 Prozent der Kunden mit einem Einkommen über 3000 Euro erklärten, sie nutzten den verlängerten Sonnabend gerne zum Shopping und Bummeln durch die Geschäfte. Bei den weniger Betuchten mit einem Einkommen unter 1500 Euro behaupteten dies nur 28 Prozent. Laut Untersuchung zieht es zudem schwerpunktmäßig die Unter-Dreißig-Jährigen am späten Sonnabend in die Einkaufszonen. Von der als überdurchschnittlich konsumfreudig geltenden Verbrauchergruppe kaufte knapp ein Drittel in der Zeit nach 16 Uhr ein.

Viele jüngere und mobile Verbraucher verleitet der lange Sonnabend außerdem zu „Außer-der-Reihe-Käufen“. Elf Prozent der Interviewten im Alter zwischen 14 und 44 Jahre sagten bei der Befragung am 19. Juli, an diesem Sonnabend außerhalb der üblichen Geschäftzeiten ihr Geld ausgegeben zu haben.

In der Zeit nach 18 Uhr flaut das Geschäft an den Sonnabenden allerdings deutlich ab. Zwar gaben noch sieben Prozent an, zwischen 18 und 20 Uhr eingekauft zu haben. Doch die Kundschaft änderte sich deutlich: Waren es zwischen 16 und 18 Uhr vor allem Verbraucher mit einem Haushaltseinkommen über 3000 Euro, die an den Kassen des Einzelhandels zu finden waren, fehlte diese Zielgruppe nach 18 Uhr fast komplett. Bis 20 Uhr dominieren vor allem Kunden das Geschäft, die weniger als 1500 Euro im Monat in ihrem Haushalt zur Verfügung haben.

Auch eine Firmenbefragung des HDE, die Ende September veröffentlicht werden soll, scheint diese Beobachtungen zu bestätigen. „Wo die Ladenöffnungszeiten ausgedehnt wurden, hatten die Händler am Ende der Woche ein Plus in der Kasse“, sagt Verbands-Volkswirt Robert Weitz. Allerdings hätten sich nur ein Drittel der rund 100000 Verbandsmitglieder an den verlängerten Öffnungszeiten beteiligt.

Auf einen Erfolg der verlängerten Sonnabends-Öffnungen deuten bereits die Zahlen hin, die große Handelshäuser unlängst für das zweite Quartal 2003 vorgelegt haben. Der Hagener Douglas-Konzern etwa verbuchte an den ersten verlängerten Sonnabenden im Juni bei Parfum, Süßwaren und Büchern ein Umsatzplus von zehn bis 15 Prozent. Das börsennotierte Modekaufhaus Ludwig Beck spricht sogar von einem Anstieg der Erlöse um 30 Prozent. Auch Metro und Karstadt-Quelle berichten von Zuwächsen an den langen Sonnabenden. Spürbare Umsatzrückgänge an den übrigen Wochentagen haben die Konzerne nicht beobachtet.

Obwohl die starren Regelungen des 1956 beschlossenen Ladenschlussgesetzes bereits erheblich aufgeweicht worden sind, geht die bisherige Liberalisierung vielen Händlern nicht weit genug. Trotz der effektiven Umsatzzuwächse in den Innenstädten dürfe die Debatte mit den verlängerten Öffnungszeiten am Sonnabend nicht beendet sein, forderte Kaufhof-Vorstandschef Lovro Mandac. „Am Bahnhof in Leipzig sind Geschäfte 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche offen, und wir müssen ein paar Meter weiter die Türen um 20 Uhr zumachen“, kritisierte er. Dies sei wettbewerbsverzerrend.

Befürworter einer weiteren Liberalisierung weisen zudem darauf hin, dass die deutschen Läden selbst nach der jüngsten Ausweitung der Geschäftszeiten im europäischen Vergleich nach wie vor mit am kürzesten geöffnet sind. Am 4. November wird das Bundesverfassungsgericht eine Klage des Kaufhofs gegen das Ladenschlussgesetz verhandeln. „Falls die Richter eine Überprüfung des Gesetzes anordnen, ist schon bald mit dessen Totalaufhebung zu rechnen“, hofft der Hauptgeschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels, Johann D. Hellwege.

Trotz des Drucks der Konzernbosse sagte ein Sprecher von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD): „Bei uns gibt es derzeit keine konkreten Planungen, die Öffnungszeiten der Geschäfte auszuweiten.“ Langfristig sei aber alles möglich. Offenbar scheut Clement den Konflikt mit der mächtigen Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die sich gegen eine weitere Ausweitung der Shopping-Zeiten stemmt. Zwar seien durch die verlängerten Sonnabende einige geringfügig Beschäftigte mehr eingestellt worden, sagte Bundesfachgruppenleiter Ulrich Dalibor, nachhaltige Umsatzsteigerungen aber würden längere Öffnungszeiten nicht bringen.

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