Wirtschaft : Langer Winter füllt RWE die Kassen

Energiekonzern steigert Quartalsgewinn auf mehr als eine Milliarde Euro – und überrascht die Analysten

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Düsseldorf - Die Kraftwerke des größten deutschen Stromproduzenten RWE füllen dem Konzern die Kassen: Dank des langen Winters hat RWE im ersten Quartal 2006 mehr Strom und Gas verkauft und mehr verdient als von Analysten erwartet. Kurzfristig erwartet der Energiekonzern auch keinen Dämpfer durch die derzeit sinkenden Notierungen der Emissionszertifikate und Strompreise. Langfristig dürften sich dadurch die Gewinnmargen aber verringern.

„Vor allem der überdurchschnittlich lange und kalte Winter führte zu saisonalen Einmaleffekten“, erklärte das Unternehmen am Montag. Der Stromabsatz kletterte um sechs Prozent, der Gasabsatz um elf Prozent. Mit durchschnittlich einem Grad Celsius lagen die Temperaturen in Deutschland um zwei Grad niedriger als noch vor einem Jahr. Die Kraftwerke von RWE und die Heizungen der Kunden liefen auf Hochtouren, die Preise für Strom und Gas stiegen weiter an. Im ersten Quartal lag das Betriebsergebnis bei RWE mit 2,3 Milliarden Euro um 16 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Der Nettogewinn verbesserte sich um sieben Prozent auf rund eine Milliarden Euro und der Umsatz um 25 Prozent auf 13,8 Milliarden Euro.

Von dem kalten, langen Winter profitierte die gesamte Branche. Konkurrent Eon hatte in der vergangenen Woche über ein kräftiges Gewinnplus berichtet, auch Vattenfall hatte für das erste Quartal einen Gewinnsprung gemeldet. Gestern teilte auch die Mannheimer MVV Energie mit, im ersten Halbjahr ihres Geschäftsjahres 2005/06 sei das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 24 Prozent auf 189 Millionen Euro gestiegen.

Sowohl die Kraftwerkstochter RWE Power als auch die Vertriebssparte RWE Energy habe positiv überrascht, sagte Analyst Matthias Heck von der Privatbank Sal. Oppenheim. Die Zahlen seien insgesamt „sehr gut“. Mit dem Zwischenbericht konnte RWE den Abwärtstrend an der Börse zwar stoppen. Mit einem leichten Kursplus von 1,55 Prozent auf 65,50 Euro bis zum Nachmittag konnte die Aktie die Verluste aus der Vorwoche aber nicht wettmachen.

„Am Aktienmarkt steht derzeit das Thema Emissionshandel im Vordergrund“, erläuterte Sal. Oppenheim-Analyst Heck. Dort waren die Preise für Kohlendioxid-Zertifikate in den vergangenen Wochen eingebrochen, weil die Teilnehmer 2005 nach inzwischen von der EU bestätigten Daten weniger Zertifikate benötigten als gedacht. In der Folge gaben auch die Preise im Stromgroßhandel deutlich nach.

Auf das laufende Geschäftsjahr dürfte dies nach RWE-Angaben aber kaum Auswirkungen haben, weil der Konzern seine Stromproduktion für 2006 bereits im vergangenen Jahr am Terminmarkt weitgehend veräußert hat. RWE bekräftigte deshalb auch die Prognose, nach der das Betriebsergebnis um fünf bis zehn Prozent und das Nettoergebnis um zehn bis 20 Prozent ansteigen soll.

Und auch 2007 dürfte der Effekt noch gering sein. Hierfür habe der Energiekonzern schließlich bereits zwei Drittel der Produktion veräußert, sagt Analyst Marc Koebernick von der WestLB. Für 2008 rechnet er aber durchaus mit sinkenden Margen. Am Terminmarkt kostet die Megawattstunde zur Lieferung 2008 derzeit knapp 53 Euro – sieben Euro weniger als noch vor drei Wochen. „Jedes Euro weniger drückt das Ergebnis von RWE deutlich“, sagt Koebernick. juf/HB

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