Wirtschaft : Langsame Revolution

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1999 – INTERNET

Der Hype ist kein BusinessPlan“, lautete eines der geflügelten Worte aus den goldenen Zeiten der New Economy. Doch als Ende des Jahres 2000 wieder reale Zahlen und nicht die Hoffnung auf Gewinne in ferner Zukunft das Geschäft zählten, war es zu spät. Längst war die Blase geplatzt. Zuerst platzten die Spekulationsblasen an den Börsen und dann die Sprechblasen derjenigen, die glaubten, das Internet könne die Gesetze der Marktwirtschaft außer Kraft setzen. Noch 1999 wandelte eine ganze Generation von Managern, Anlegern und Unternehmensgründern in einer Art Trancezustand. Das Internet wurde als die dritte industrielle Revolution gefeiert, die unsere Volkswirtschaft in eine Informations- und Wissensgesellschaft transformiert. Das „Netz“ sollte die Welt zu einem globalen Marktplatz machen. Für den Mittelständler aus Schwaben schienen Märkte wie China oder Amerika nur noch einen Mausklick entfernt. Alles Notwendige sollten die Menschen am Bildschirm kaufen und die Firmen ihre Produktivität durch die Vernetzung erhöhen.

Das Internet brachte aber kein grenzenloses Wachstum. Die meisten neu gegründeten Unternehmen mussten wieder dicht machen und auch die Investitionen der großen Konzerne in die neue Technik rechneten sich nur selten. Die einstige Euphorie vieler Unternehmer wandelte sich nach der Enttäuschung in tiefe Skepsis. Ein großer Fehler, wie IBM-Deutschland-Chef Walter Raizner meint. Da deutsche Unternehmen zu wenig in neue Informationstechnik investieren, fallen sie international zurück. Denn trotz der Enttäuschungen ist der Erfolg des Internets unbestritten. Täglich nutzen mehr Menschen das Netz und kaufen dort ein; die Unternehmen vernetzen sich, um über das Internet mit Kunden oder Lieferanten zu kommunizieren. Die Revolution findet statt – nur viel, viel langsamer als gedacht. msh

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