Langstreckenflüge : Air Berlin hält sich Verkauf von LTU offen

Air-Berlin-Chef Joachim Hunold hat Spekulationen zurückgewiesen, wonach er sich von der Langstrecke verabschieden will. "Es gibt keine Abkehr von der Konzernstrategie", sagte Hunold am Mittwoch auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin.

Berlin Er bestätigte aber, dass der Verkauf der Langstreckentochter LTU geprüft wird – als eine von mehreren Optionen. „Es gibt aber noch keine Entscheidung“, betonte Hunold. Selbst im Falle eines Verkaufs werde Air Berlin die LTU-Flüge weiter vermarkten. Einen Interessenten gebe es noch nicht.

Hintergrund sind neben der Wirtschaftskrise die stockenden Tarifverhandlungen mit der Pilotenvereinigung Cockpit. Deren Forderungen passten „überhaupt nicht in unsere Zeit“, sagte Hunold. Air Berlin habe den Piloten mit einer Tariferhöhung von 3,5 Prozent und einer Beschäftigungsgarantie bis Ende 2010 ein „sehr komfortables Angebot gemacht.“ Cockpit hatte die Tarifverhandlungen für gescheitert erklärt, wollte sich auf Anfrage zu Details aber nicht äußern.

Air Berlin, die in diesem Jahr 30-jähriges Jubiläum feiert, hatte LTU im August 2007 gekauft. Die Berliner zahlten 140 Millionen Euro und übernahmen zudem rund 200 Millionen Euro Schulden.

Aktionärsschützer bezeichneten es als „wirtschaftlich richtig, dass Air Berlin sich jetzt die Frage des Verkaufs stellt: Lieber eine Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“, sagte Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) dem Tagesspiegel. LTU sei lange Jahre lang ein Verlustgeschäft gewesen. Kunert zeigte sich aber skeptisch, ob sich in der jetzigen Situation ein Käufer finden kann. „Ich befürchte, dass es darauf hinausläuft, die LTU jemandem zu schenken, um die Kosten für die Liquidation zu sparen.“ Air Berlin legt Ende März seine Bilanz vor.

Auch die Berliner Flughäfen müssen wegen der Rezession sparen. Die Passagierzahlen sanken im Januar um sechs und im Februar um acht Prozent. Auf der ITB kündigte Flughafen-Chef Rainer Schwarz an, im Jahr 2009 die Sachkosten um zehn Millionen Euro senken zu wollen. pet

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