Wirtschaft : Laptop-Boom hilft Intel

Große Nachfrage nach mobilen Prozessoren

Henrik Mortsiefer

Berlin - Die anhaltend große Nachfrage nach Laptops hat dem Chipkonzern Intel ein glänzendes Geschäft im zweiten Quartal beschert. Die Auftragslage des Weltmarktführers war nach eigener Auskunft so gut, dass die Produktion der für Laptops bestimmten Intel-Prozessoren nicht schnell genug nachkam. „Wir haben keine extremen Lieferengpässe, aber die Fabriken produzieren am Anschlag“, sagte Intel-Europa-Chef Jürgen Thiel am Mittwoch dem Tagesspiegel. Die Kapazitätsprobleme führten dazu, dass Intel seine Prognose für Umsatz und Gewinn nicht – wie von der Börse stets erwartet – übertreffen konnte. Die Aktie gab deshalb um mehr als fünf Prozent nach.

Der deutsche Markt liegt beim Umsatz mit der mobilen Prozessor-Plattform „Centrino“ für Notebooks erneut in Führung, wie Deutschland-Chef Hannes Schwaderer dieser Zeitung sagte. „Nirgendwo ist unser Marktanteil bei Centrino größer.“ Das vergangene Quartal sei das beste in der Geschichte des Unternehmens gewesen. Auch beim Absatz von Intels Prozessor „Itanium“ für Unternehmensserver sei Deutschland „Nummer eins“.

Weltweit steigerte Intel den Umsatz in den Monaten April, Mai und Juni um 15 Prozent auf 9,2 Milliarden Dollar (7,6 Milliarden Euro). Der Gewinn legte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit zwei Milliarden Dollar oder 33 Cent je Aktie um 16 Prozent zu. Die Wall Street war von 32 Cent je Aktie ausgegangen.

In Deutschland sieht Intel neben Prozessoren für den mobilen Einsatz Wachstumschancen bei der Digitalisierung privater Haushalte und im Gesundheitswesen. Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin will das Unternehmen eine neue Kooperation im Home-Entertainment-Bereich bekannt geben. Dem Vernehmen nach soll es um eine Partnerschaft mit Philips gehen. Intel ist im Unterhaltungsbereich schon als Technologiepartner von T-Online oder der Bertelsmann-Sparte Arvato engagiert. Auch mit dem Computerkonzern Apple, der künftig Intel-Chips in seine Rechner einbaut, soll enger zusammengearbeitet werden. „Wir teilen die gleiche Auffassung über die Zukunft des Computers“, sagte Schwaderer. Dabei gehe es um die Vereinigung verschiedener Medien und Anwendungen in einem Gerät.

Im Geschäft mit so genannten Flash-Speicherchips für Handys litt Intel zuletzt unter dem starken Preisdruck. Zwar legte die Zahl der verkauften Chips zu, „aber die sinkenden Preise haben die Volumenvorteile ausgeglichen“, sagte Europachef Thiel.

Chiphersteller wie Infineon spüren den Preisdruck auf dem Speichermarkt stärker. Der von einer Korruptionsaffäre erschütterte Konzern macht 40 Prozent des Umsatzes mit Speicherchips und legt am kommenden Dienstag Quartalszahlen vor. Analysten erwarten nicht, dass der Schmiergeld-Skandal das operative Geschäft in Mitleidenschaft zieht.

Infineon bestätigte am Mittwoch, dass Ex-Vorstandschef Ulrich Schumacher schon Ende März 2004 – einen Tag vor seinem Rausschmiss – Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley über die Vorwürfe gegen den zurückgetretenen Vorstand Andreas von Zitzewitz informiert habe. Das Unternehmen habe aber keine Beweise für ein Fehlverhalten finden können. Schumacher wehrt sich dagegen, dass er in Verlautbarungen Kleys zu Unrecht mit dem Schmiergeldskandal in Verbindung gebracht wird. In einem Brief werfen die Anwälte Schumachers Kley vor, ihren Mandanten mit falschen Behauptungen zu verunglimpfen.

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