Wirtschaft : Lars Windhorst steht vor dem Aus

Firmen des einstigen Star-Unternehmerns insolvent

Corinna Visser

Berlin – Lars Windhorst steht vor dem geschäftlichen Scheitern. Der Ende der 90er Jahre in Deutschland als „Wunderkind“ gefeierte Jungunternehmer musste nun auch für seine letzten beiden verbliebenen Firmen, die Windhorst AG und die Windhorst Capital Holding, Insolvenzantrag stellen. Das bestätigte eine Berliner Justizsprecherin dem Tagesspiegel. Für die Windhorst Electronics war bereits Ende vergangenen Jahres von einem Gläubiger Insolvenzantrag gestellt worden. Zudem ermittelt auch die Berliner Staatsanwaltschaft seit Monaten gegen Windhorst.

Windhorst ist heute 27 Jahre alt. Unternehmer wurde er bereits mit 16 Jahren. Damals gründete der Sohn eines Schreibwarenhändlers aus dem westfälischen Rahden seine erste Firma. Windhorst betrieb Handel mit Elektronik- und Computerteilen aus Asien. Daraus entwickelte sich schnell ein verzweigter Konzern mit mehr als 20 Betrieben. Mit 19 Jahren nahm ihn der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl mit auf Asienreise. „Deutschland braucht mehr Wunderkinder wie ihn“, sagte Kohl über Windhorst. Unter dem Dach der Windhorst Holding gab es Firmen wie Windhorst Oil und Windhorst Werbung. Das ehrgeizigste Projekt: Der Bau eines Wolkenkratzers in Vietnam. Doch dieses Vorhaben platzte – andere Fehlschläge folgten.

Seit Oktober 2000 leitete Windhorst seine Geschäfte vom Potsdamer Platz in Berlin. Doch er geriet immer mehr in finanzielle Schwierigkeiten. 2003 musste der Unternehmer auch privat einen Offenbarungseid leisten. Bereits 2001 hatte sich Windhorst von Ulrich Marseille, dem Gründer der gleichnamigen Klinikgesellschaft, rund zehn Millionen Euro geliehen. Wegen dieses Darlehens ermittelt auch die Staatsanwaltschaft. Marseille wirft Windhorst vor, falsche Angaben gemacht zu haben. Windhorsts Verteidiger in dieser Sache, der Berliner Anwalt Robert Unger, sagte dem Tagesspiegel, er rechne damit, dass das Verfahren noch in diesem Jahr eingestellt werde. Einen Teil des Darlehens habe Windhorst bereits an Marseille zurückgezahlt.

Derzeit prüft der Insolvenzverwalter der Windhorst AG, die als Holding fungierte, ob genug Masse vorhanden ist, um überhaupt ein Insolvenzverfahren eröffnen zu können.

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