Wirtschaft : Laster laufen gut Starker Euro bremst Exporte nicht

Vor allem im Ausland sind deutsche Lkw gefragt. Auch Daimler profitiert Ausfuhrquote steigt im Januar um neun Prozent / Viele deutsche Firmen wollen US-Produktion ausbauen

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Berlin - Trotz der wirtschaftlichen Eintrübung brummt das Geschäft mit Transportern und Lastwagen. Vor allem dank der starken Nachfrage aus dem Ausland steigerten die deutschen Hersteller Produktion und Export im Februar deutlich, wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) am Montag in Frankfurt am Main berichtete.

Die Produktion kletterte um 21 Prozent auf 48 000 Fahrzeuge. Ins Ausland wurden 22 Prozent mehr schwere Lastwagen, Transporter und Busse verkauft als vor einem Jahr. „Mit diesen Zahlen setzt sich der gute Trend des Jahres 2007 ungeschmälert fort“, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann.

Allerdings lässt die Nachfrage aus dem Inland nach. Die inländischen Aufträge für Transporter gingen im Februar um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück, die für schwere Lastwagen um 18 Prozent.

Dank der anhaltend „erfreulichen Absatzlage“ stieg die Fertigung von Nutzfahrzeugen bis sechs Tonnen bei deutschen Herstellern in den ersten beiden Monaten des Jahres um 16 Prozent auf 53 600 Stück. Die Produktion von schweren Nutzfahrzeugen über sechs Tonnen kletterte um vier Prozent auf 31 600 Einheiten. Damit liefen so viele schwere Nutzfahrzeuge wie noch nie von den Bändern.

Profitiert von der positiven Entwicklung hat auch das Lkw-Geschäft von Daimler. Die Verkäufe in den Monaten Januar und Februar seien bereits gut angelaufen, sagte der Chef der Sparte Daimler Trucks, Andreas Renschler, am Montag.

Die Wachstumsprognose in der Lastwagensparte hänge aber stark von der Entwicklung des US-Geschäfts ab. Eine verlässliche Prognose zu dem wichtigen Markt in Nordamerika könne erst im zweiten Halbjahr gegeben werden. Sicherlich werde sich aber der Absatz in diesem Jahr nach oben entwickeln, sagte Renschler weiter. Insgesamt rechnet der Daimler-Truck-Chef mit einem weltweiten Wachstum des Lkw-Marktes um rund vier Prozent.

Als Ziele für die laufenden Monate nannte der Truck-Chef einen Ausbau des Geschäfts in Osteuropa, Russland, Indien, Brasilien und China. Allerdings sei der Markt in China wegen der starken staatlichen Einflussnahme schwierig.

Im vergangenen Jahr hatte die Daimler-Lastwagensparte vor allem wegen der schwächelnden Märkte in Nordamerika und Japan einen Absatzrückgang um 9,4 Prozent auf 467 700 Fahrzeuge verbucht. dr

Wiesbaden/Berlin/Düsseldorf - Der starke Euro hat dem deutschen Export bisher nichts anhaben können. Im Januar wurden von Deutschland aus Waren im Wert von 84,4 Milliarden Euro ausgeführt, das waren neun Prozent mehr als im Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte. Besonders stark stiegen die Ausfuhren in Länder außerhalb der EU, nämlich um 11,5 Prozent auf 30 Milliarden Euro. Das ist etwas mehr als ein Drittel der gesamten Exporte. Die Ausfuhren in die Euro-Zone, bei denen sich der starke Euro nicht auswirkt, stiegen dagegen nur um 6,2 Prozent auf 36,2 Milliarden Euro.

Der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels bezeichnete die Zahlen am Montag als erfreulich. Allerdings bleibe abzuwarten, ob sich angesichts der Finanzkrise und des schwächelnden US-Dollars der positive Trend fortsetze.

Im Januar war ein Euro etwa 1,46 Dollar wert, deutlich mehr als im Vorjahresmonat, als es noch etwa 1,30 Dollar waren. Seither ist der Euro nochmals stärker geworden und steht nun bei etwa 1,53 Dollar. Bei einem starken Euro ist es für Abnehmer in den USA teurer, Waren aus Deutschland zu kaufen.

Angesichts des im Verhältnis zum Euro schwachen Dollars peilen immer mehr deutsche Unternehmen Zukäufe in den USA an. Eine große Mehrheit von 82 Prozent der Unternehmen sieht einen hohen oder sogar sehr hohen Einfluss des Wechselkurses auf ihr aktuelles Geschäft in den Vereinigten Staaten. Das ist das Ergebnis einer Blitzumfrage der Unternehmensberatung Droege vom vergangenen Wochenende. Weil die meisten Firmen den Dollar-Verfall als längerfristiges Phänomen einschätzen, wollen sie schnell in den Bereichen Einkauf, Vertrieb, Finanzen und Produktion gegensteuern.

An der Online-Befragung, deren Ergebnisse dem „Handelsblatt“ exklusiv vorliegen, nahmen 60 deutsche Unternehmen in den USA aus verschiedenen Branchen teil. Die meisten Firmen kommen auf einen US-Umsatz bis 50 Millionen Dollar, ein Sechstel auf mehr als 100 Millionen Dollar.

„Sehr viele deutsche Unternehmen erkennen, dass sie sich jetzt sehr schnell bewegen müssen, um den Währungsschwierigkeiten zu begegnen“, sagt Lars Knorn, Direktor im New Yorker Büro von Droege. Ein „Aussitzen“ der Krise scheidet gleich aus zwei Gründen aus: Erstens rechnen sechs von zehn Entscheidern damit, dass die Dollar-Schwäche länger als ein Jahr dauern wird. Zweitens beurteilen die meisten Manager den US-Markt langfristig als einen überaus attraktiven Absatz- und Produktionsmarkt. Die Krise entpuppt sich deshalb als Chance, billig zu- oder einzukaufen.

Mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen will ihre Strategie in weniger als drei Monaten an die veränderten Wechselkursverhältnisse anpassen. „Es werden zurzeit Überstunden in den US-Zentralen deutscher Unternehmen gemacht. Die Zeit drängt. Die Preise europäischer Produkte steigen täglich“, bestätigt Knorn. 56 Prozent der befragten Unternehmen planen, ihre Produktion in den USA massiv auszubauen. Ein Drittel beabsichtigt dies sogar innerhalb der nächsten sechs Monate. Nur so können die Unternehmen die immensen Nachteile eines starken Euro kompensieren.

Nach Berechnungen der WestLB reduzieren sich bei einer Euro-Aufwertung um zehn Prozent – so viel legte der Euro allein seit dem vergangenen Herbst zu – die Erträge vor Steuern und Zinsen bei den 30 Dax-Konzernen um sechs Prozent. Die Schweizer Großbank Credit Suisse kam unlängst zu ähnlichen Ergebnissen. Sie errechnete für einzelne Branchen wie Automobil noch deutlich stärkere Einbußen. Grund dafür ist, dass beispielsweise ein Premiumhersteller wie BMW rund ein Viertel seiner Autos in den USA absetzt, dort aber kaum produziert. Die Ratingagentur Moody’s sieht den starken Euro mit Blick auf das Gesamtjahr als ernsthaften Risikofaktor für die Ertragslage der Autobauer.

Darüber hinaus beflügelt der niedrige Dollar die Fusionen und Übernahmen. 33 Prozent der Entscheider suchen aktuell nach Zukaufsmöglichkeiten auf dem US-Markt. AFP/som (HB)

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